Reisetipp Schottland mit dem Wohnmobil

Mit dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen nach Schottland zu fahren, ist für viele Menschen ein Traum. Dabei sind die Überlegungen und auch Bedenken oftmals groß, ob der Urlaub stressfrei zu bewerkstelligen ist. Sehr häufig werden insbesondere engere Straßen und der Linksverkehr als größtes Hindernis gesehen.

Diese, in den Einzelpunkten kurz gehaltene, Auflistung soll Anhaltspunkte zur Vorbereitung liefern und vor allem Unsicherheiten vor diesem fantastischen Reiseziel abbauen.

Anreise

  • Schottland ist gar nicht so weit entfernt. Dennoch ist die Anreise durch den Inselstatus Großbritanniens aufwendiger. Zum Anlanden auf der Insel stehen den Campern der Eurotunnel bzw. Fährverbindungen zur Verfügung. Egal ob Fähre oder Tunnel, eine Vorabbuchung ist stets angeraten.
  • Eurotunnel: Preisaussagen für die Nutzung des Autoreisezuges sind kaum möglich. Die Preise variieren saisonal und tageszeitenabhängig stark. Der Tarif bemisst sich zudem natürlich an der Länge des Fahrzeugs. Die Waggons sind gut dimensioniert und die Einfahrt sollte kein Problem darstellen. Die Passagierüberfahrt kann im Innenraum des Fahrzeugs stattfinden, zu sehen gibt es verständlicherweise nichts. Nach etwa 35 Minuten ist die Insel erreicht. Einzubeziehen in diese Reiseoption sind exemplarisch noch die in etwa verbleibenden 750 km bis zur Grenze Schottlands (etwa 10 Stunden Fahrt).
  • Fähren: Es gibt zahlreiche Fährverbindungen, wobei die schnellste wohl die Strecke Calais – Dover ist. Hier gilt bezüglich einzuberechnender Zeit und Kosten das gleiche, wie für die den Eurotunnel. Wer es komfortabler mag und ggf. den längeren Anreiseweg nicht scheut, dem bieten sich die Fährverbindungen Ijmuiden – Newcastle bzw. Hoek van Holland – Harwich an. Die längere Überfahrt macht zum einen die Reise sehr angenehm und das eigentliche Urlaubsziel Schottland ist bei Ankunft schnell erreicht. Nach Befahren der Fähre kann eine bequeme Kammer bezogen werden, ggf. gebuchte und ansprechende Arrangements beinhalten Abendessen und/oder üppiges Frühstücksbuffet. Auch hier sind Aussagen zum Preis sehr schwierig, differieren sie doch stark von Jahreszeiten, Wochentagen und Feiertagen.

Fähre

  • Fähren haben feste Boardingzeiten, die man tunlichst einhalten sollte. Daher ist es ratsam, ein wenig Zeit mehr zur Anreise einzuplanen.
  • Diesel in Dieselkanistern mitzuführen ist meist auf Fähren verboten. Bei einigen Gesellschaften sind selbst leere Kanister problematisch.
  • Gasflaschen und LPG-Tanks sind abzusperren, ggf. mit einem ausgehändigten Aufkleber zu versiegeln. Dies wird beim Check-In genau erklärt.
  • Die Sicherheit auf der Fähre spielt eine wichtige Rolle. Es ist ratsam, sich in dem Gewirr von Gängen und Etagen den Fluchtweg genauer anzusehen.
  • Ist zu befürchten, dass die Überfahr etwas windig und ruppig wird, werden Fahrzeuge von der Besatzung selbstständig gelasht. Wer im Vorfeld genauer wissen möchte, wie das Wetter zur Überfahrt wird, ist beim DWD-Seewetterbericht bestens aufgehoben. Die relevanten Seegebiete heißen: Südliche Nordsee, Dogger und Forties.
  • Einkaufen im Duty-free Shop auf der Fähre ist nicht grundsätzlich günstig und hängt unter anderem von der Fährgesellschaft ab. Praktisch ist der Kauf von pfandfreien Getränken, zumal man die Dosen und Flaschen des deutschen Pfandsystems nicht ohne weiteres in Schottland los wird – lediglich in den Müll.

Einreise Großbritannien

  • Für Reisende aus Deutschland ist der Reisepass notwendig. Der früher ausreichende Personalausweis ist seit dem Brexit unzureichend. Für Kinder ist entsprechend ein gültiger Kindereisepass notwendig. Reisedokumente müssen bis zum Ende der Reise gültig sein.
  • Bestimmte Impfungen werden für Großbritannien gegenwärtig nicht gesondert empfohlen oder verlangt. Aktuelle und verlässliche Auskünfte dahingehend finden sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes unter den Reise- und Sicherheitshinweisen.
  • Sowohl auf dem europäischen Abfertigungsgelände als auch in Großbritannien werden Kontrollen in Punkto Einfuhr und Grenzschutz durchgeführt. Dazu zählen u.a. Kontrollen bzgl. gültiger Dokumente, Einfuhr von Waffen, Drogen, Einhaltung der Einfuhrgrenzen für Alkohol und Zigaretten, zulässiger Lebensmittel und weitere. Nachfolgende Regeln sind vereinfacht und sollten beim Auswärtigen Amt überprüft werden:
    • Waffen: Waffen sind in der Regel verboten. Dazu zählen auch Reizstoffsprays und einige Messer.
    • Mitnahme von Lebensmitteln:  Lebensmittel, Fleisch, Fisch oder Milchprodukte für den Eigenbedarf sind erlaubt. Wer also auf sein Graubrot nicht verzichten kann, muss hier keinen Engpass befürchten.
    • Bier pro Person: 42 Liter
    • Wein pro Person: 18 Liter
    • Spirituosen pro Person: 4 Liter
    • Zigaretten pro Person: 200 Stück
    • Sonstige Kosmetika/Parfüm/Elektronik pro Person: 390 Pfund Sterling
  • Angekommen in Großbritannien sind die Uhren umzustellen. Es gilt die WEZ, was das Rückstellen der Uhr um eine Stunde bedeutet. Die Sommer- und Winterzeit sind analog zur MEZ.

Verkehr

  • Der nationale EU-Führerscheine wird anerkannt. Ein internationaler Führerschein ist in Großbritannien nicht notwendig.
  • Die grüne Versicherungskarte ist obligatorisch.
  • Erleichternd ist, wenn beim Verlassen der Fähre ein Brite vorrausfährt – so ist das Einfinden in den fließenden Linksverkehr entspannter.
  • Größte Hürde für viele ist sicherlich der Linksverkehr. Doch schon nach wenigen Kilometern tritt die erste Gewöhnung ein. Erleichtert wird das Fahren durch die unzähligen Kreisverkehre in Schottland, diese „führen“ die Verkehrsteilnehmer fast automatisch in die richtige Fahrspur, womit das versehentliche Falschbefahren verhindert wird.
  • Etwas Konzentration wird dann nochmal auf mehrspurigen Straßen abverlangt. Insbesondere die ungewohnte Tatsache, dass rechts überholt wird, fordert eine gedankliche Umstellung.  Ebenso der Einordnungsvorgang, sobald eine einspurige zur zweispurigen Straße wird.
  • Wie in Deutschland herrscht bei der Fahrt eine Anschnallpflicht.
  • Und auch das Handyverbot ist zu beachten. In Großbritannien stellt die Nutzung des Handys während der Fahrt eine Straftat dar, auch wenn man im Stau steht; Ausnahme ist eine Freisprecheinrichtung.
  • Dashcams sind erlaubt, wobei Aufnahmen kontinuierlich überschrieben werden müssen.  
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  • 【Kompaktes und flaches Design】Die A119 V3 Auto-Kamera hat eine kompakte Größe, sodass sie perfekt auf die Windschutzscheibe passt, wird Ihre Sicht auf die Straße nicht behindern. Das flache Design zieht nicht die Aufmerksamkeit von anderen auf und sorgt für ein sauberes Interieur. Mit einer kleinen schwarzen 3M-Magnetbefestigung macht das Entfernen und Anbringen der Dashcam unglaublich einfach. Die passende Saugnapfhalterung ist separat erhältlich.
  • Sofern Kinder oder Jugendliche im Fahrzeug sind, gilt striktes Rauchverbot.
  • Das Ausweisen einer Promillegrenze von 0,5 (anders als z.B. in England 0,7) erscheint völlig widersinnig, denn es sollte eigentlich immer und überall gelten: Don´t drink and drive.
  • Geschwindigkeiten für Wohnmobile (leicht: bis 3,5t / schwer: bis 7,5 t)
    • geschlossene Ortschaft: 30 mph (48 km/h) / 30 mph (48 km/h)
    • außerhalb geschlossener Ortschaften: 60 mph (96 km/h) / 50 mph (96 km/h)
    • Schnellstraße: 70 mph (112 km/h) / 60 mph (96 km/h)
    • Autobahn: 70 mph (112 km/h) / 60 mph (1126 km/h)
  • Straßenmarkierungen am Fahrbahnrand
    • rote Linie: Halteverbot, gilt selbst zum Ein-/Aussteigen von Personen
    • gelbe Linie: einfache oder doppelte gelbe Linie entspricht einem Parkverbot
  • Verhalten Verkehrsteilnehmer: nicht in allen Teilen Großbritanniens wird so harmonisch und umsichtig gefahren, wie in Schottland. Die Schotten sind extrem umsichtig und fahren weitestgehend defensiv. Insbesondere gegenüber größeren Fahrzeugen wird häufig auf das Vorfahrtsrecht verzichtet und von weitem mit einem Lichtsignal die Vorfahrt eingeräumt. Lediglich der berufliche Lieferverkehr fährt zeitweise mit einem Zeitdruck im Nacken. Daher ist gerade auf schmaleren Landstraßen bei entgegenkommenden LKW etwas Vorsicht geboten.

Straßen

  • Die Straßen in Schottland sind für gewöhnlich gut ausgebaut. Selbst kleinere und sogar befestigte, aber nicht asphaltierte Straßen sind mit einem Standardwohnmobil ohne Probleme zu befahren. Dennoch sollte mit Umsicht gefahren werden, da doch das ein oder andere Schlagloch witterungsbedingt entstehen kann.
  • Die Breite der Straße lässt sich in der Karte meist schon über die Straßenbezeichnung herleiten. Die größten Straßen sind für gewöhnlich einstellig (A6), kleinere Landstraßen dreistellig (A216). Das M in der Straßenbezeichnung weist auf eine Autobahn hin.
  • Ein Straßenatlas wie der Philip’s Navigator Scotland ist für die Planung nahezu unerlässlich. Routen und Umgebungen lassen sich damit deutlich besser ausmachen als mit der digitalisierten Ansicht auf dem Tablet oder Smartphone.
  • Bei der Streckenplanung sollte immer bedacht werden, dass die Tankstellendichte deutlich geringer als in Deutschland ist.
  • Single Tracks werden die einspurigen Straßen genannt, die in den einsameren Gegenden Schottlands sehr häufig vorzufinden sind. Entgegenkommender Verkehr regelt sich über die mehr als ausreichenden Passing Places, die auf Grund der weit einzusehenden Landschaften immer genügend Vorlauf bieten. Die Frage, wer von beiden Verkehrsteilnehmern auszuweichen hat, ergibt sich durch die Anordnung der Bucht. Durch das Linksfahrgebot weicht derjenige aus, der die Haltebucht auf der linken Seite hat. Aber auch hier gilt: Freundlichkeit siegt. Sehr häufig weicht derjenige aus, der das deutlich kleinere Fahrzeug fährt.
  • Während der Fahrt tauchen immer wieder Schilder mit Kamerasymbolen auf. Sie machen, wie man es sich denken kann, auf Sehenswürdigkeiten aufmerksam. Und ja – man sollte dort stehen bleiben: es lohnt sich immer.
  • Was man eher weniger vor Augen hat, sind Schneeketten. Beim Passieren des Lecht-Road Pass in den Highlands haben wir schon Schneefall im Oktober erlebt.

Busfahren

  • Sobald Städte besichtigt werden sollen, ist der öffentlich Bus die allererste Wahl. Das Busnetz und die Taktfrequenz sind in Großbritannien vorbildlich.
  • Unbedingt passendes Bargeld parat haben, denn der Busfahrer wechselt nicht und behält zu viel bezahltes Geld. Zunehmend häufiger ist das bargeldlose Bezahlen in Bussen möglich.
  • Das Tagesticket ist meist die beste Option.
  • Kartenzahlung ist häufig möglich.
  • Tagestickets werden unter umständen am Campingplatz verkauft. Diese sind dann bei Fahrtantritt zu entwerten. Beim Fahrer gekaufte Tickets müssen in der Regel nicht entwertet werden.
  • Fettnäpfen: In Großbritannien stellt man sich ordentlich in der Schlange der wartenden an. Einfach vorbeimogeln und vorne reinhuschen wäre respektlos, auch wenn die freundlichen Briten wahrscheinlich nichts sagen würden.

Kommunikation

  • Das britische Mobilfunknetz ist gut ausgebaut. Deutsche Provider haben versichert, dass auch nach dem Brexit keine Roaminggebühren für Daten- und Telefontarife erhoben werden. Sicherheitshalber sollte vor der Abreise die genaue Regelung erfragt werden.
  • In dünn besiedelten Gebieten, wie zum Beispiel den Highlands, ist das Mobilfunknetz zeitweise schlecht bis nicht existent.
  • Kostenfreies WLAN finden Besucher in vielen Pubs und Restaurants, Supermärkten und auf einigen Campingplätzen. Sehr praktisch ist auch das kostenfrei WiFi (englischer Ausdruck) in vielen öffentlichen Bussen.
  • Besondere Obacht ist auf Fähren geboten. Das Einbuchen in das Bordnetz kann schnell einmal die Urlaubsfreude um mehrere hundert Euro mindern. Am sichersten ist es, den Flugmodus rechtzeitig einzuschalten.

Maßeinheiten

  • In Großbritannien wird konsequent das imperiale System genutzt, was uns metrisch Verwöhnten ganz schön zu schaffen macht. Hier die wichtigsten Maßeinheiten in der Umrechnung (gerundet):
    • 1 inch (in) = 2,54 cm
    • 1 feet (ft) = 12 inches = 30,5 cm
    • 1 mile (mi) = 1,6 km
    • 1 pint (pt) = 0,57 l
    • 1 gallon (gal) = 4,54 l
    • 1 ounce (oz) = 28,35 g
  • Wer noch eine besondere Rechenaufgabe für die Fährüberfahrt benötigt, kann den Verbrauch des Wohnmobils einmal in Miles per Galon umrechnen – denn die Briten bemessen in diesem Verhältnis den Verbrauch eines Fahrzeugs.
  • Fettnäpfchen: Schottland hat viele Brücken, die es zu unterfahren gilt. Diese sind deutlich bezüglich der Durchfahrtshöhe gekennzeichnet. Damit es nicht zu hupenden Verkehrsteilnehmern kommt, während man eben schnell die eigene Höhe umrechnet, sollte das im Vorfeld gemacht werden. Unsere Infokarte und Aufkleber-Set helfen, diese Maße zu dokumentieren und dann auch schnell griffbereit zu haben

Geld

  • In Schottland gilt, wie in ganz Großbritannien, die Währung Pfund Sterling. Bargeld wird nach wie vor überall akzeptiert. Visa und Mastercard haben eine sehr hohe Akzeptanz haben und kommen demnach immer häufiger zum Einsatz. Und auch die Maestro Karte funktioniert nahezu überall (nicht zu verwechseln mit reinen EC-Karten, die in Großbritannien nicht akzeptiert werden).
  • Schottland hat eigene Banknoten, die z. B. von der Bank of Scotland oder Royal Bank of Scotland herausgegeben werden. Diese unterscheiden sich von den Banknoten im restlichen Königreich. Unter Umständen werden schottische Banknoten nicht in England akzeptiert, jedoch können diese dort umgetauscht werden. Banken haben meist von 9-16 Uhr geöffnet.
  • Der Umtausch von Euro in Pfund innerhalb Großbritanniens ist kaum noch möglich. Sollte eine Bank dies dennoch ermöglichen, dann nur mit einem gültigen Reisepass. Daher bevorratet man sich am besten während des Urlaubs am Geldautomaten. Die Bedienung ist denkbar einfach, da viele Automaten die Wahl der deutschen Sprache ermöglichen.
  • Über die Bank-Gebühren im Ausland sollte man sich im Voraus bei seiner Hausbank informieren.
  • Gut zu wissen: Sollte eine Karte einmal abhandenkommen, kann sie unter der Rufnummer +49 116 116 gesperrt werden.

Notfall

  • Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr können unter der einheitlichen Rufnummer 999 gerufen werden.
  • Das Gesundheitssystem in Schottland ist gut, aber gefühlt schlechter als in Deutschland – vor allem der Rettungsdienst. Bis dieser eintrifft, kann je nach Problemfall schon Mal eine ganze Zeit dauern.
  • Zur Behandlung im Krankenhaus oder beim Arzt ist bei Europäern ein Personalausweis oder Reisepass notwendig. Eine Europäische Versicherungskarte (EHTC) ist hilfreich. Zudem wird eine Kranken- und Rücktransportversicherung empfohlen.

Klima

  • Wie sagt der Schotte? Der Winter unterscheidet sich vom Sommer durch die Temperatur des Regens. Ganz so schlimm ist es nicht – aber die Tatsache, dass die schottische Landmasse in West-Ost-Ausrichtung nur so klein ist und der Golfstrom und die Nordsee klimatisch stark abweichende Voraussetzungen mitbringen, ist es ist Schottland zwar sehr gemäßigt, dafür aber sehr feucht.
  • Sowohl im Winter als auch im Sommer sind Extreme selten zu finden. Die milden Winter erklären, warum in Schottland sogar Palmen auf Terrassen gedeihen können.
  • Das feuchte Wetter zieht von Ende Mai bis Anfang August Midges an. Diese winzigen Quälgeister sind viel kleiner als Mücken. Sie stechen nicht, dafür beißen sie und können wirklich nerven. Entsprechenden Mückenschutz sollte man unbedingt in Schottland kaufen, da dieser besonders auf die Midges abgestimmt ist. Dabei genießt „Smidge“ den Ruf, einen guten Schutz zu bieten. Zur Verbreitung der Plage gibt eine eigene Website und App.

Post

  • Die Poststelle ist wichtig für Schotten. Dort kann Geld geholt, Post versendet und Rechnungen bezahlt werden. Es ist eine Art Kommunikationscenter und in jedem noch so kleinen Ort zu finden (häufig in kleinen Läden integriert).
  • Die Öffnungszeiten sind 09:00 bis 17:30 Uhr, samstags bis mittags.
  • Postkarten brauchen insgesamt sehr lange in die EU, länger übrigens als Briefe. Die Unterscheidung zwischen Klasse A und B gilt nur für binnenländische Post, ausländische Post wird stets als Luftpost versendet.

Feiertage

  • Und auf einmal steht man vor verschlossenen Türen – Feiertag! In Schottland gibt es außerhalb von Weihnachten und Neujahr noch folgende:
    • erster Montag im Mai: Early May Bank Holiday
    • letzter Montag im Mai: Spring Bank Holiday
    • erster Montag im August: Summer Bank Holiday
    • 30. November: St. Andrew´s Day – Nationalfeiertag

Campingplatz

  • Campingplätze in Schottland sind unserer Meinung nach besonders. Wieso? Irgendwie hat man immer das Gefühl, dass man wirklich herzlich willkommen ist. Ist wohl eher ein Bauchgefühl, aber deshalb fühlen uns auf schottischen Plätzen immer sehr wohl. Zusätzlich gefällt uns die Weitläufigkeit und die Parkähnliche Anlage vieler Plätze.
  • Bei stark frequentierten Plätzen ist es immer gut, sich vorher anzukündigen. So ist es uns schon passiert, dass wir in Edinburgh an einem Oktobersamstag aufgrund einer Großveranstaltung auf keinem der drei Campingplätze ein Nachtquartier bekommen haben.
  • Schottische Plätze haben in der Regel einen Stromanschluss. Als Stecker wird fast ausnahmslos der blaue CEE-Stecker verwendet. Adapter, wie sie für Endgeräte notwendig sind, werden nicht benötigt.
  • Strom wird dem Camper mit 230 V mit 50 Hz zugeführt, also identisch mit dem deutschen System. Abgesichert ist relativ hoch mit 10 oder 16 Ampere. Das ist dadurch zu erklären, dass viele britische Camper mit Strom heizen. Die Tagespauschale liegt bei 3-4 Pfund. 6 Ampere-Plätze sind seltener zu finden.
  • Selbstverständlich bieten die Campingplätze auch Trinkwasser an. Die Qualität ist sehr gut und kann demnach bedenkenlos getrunken werden. Lediglich ist durch die Weitläufigkeit und Lage von Campingplätzen der Druck der Wasserleitungen mitunter recht gering, wodurch das Betanken auch schon etwas länger dauern kann.
  • Die Entsorgung auf Campingplätzen stellt normalerweise kein Problem dar, wobei die Kassettentoilette häufig nicht über den Bodenauslass für Grauwasser zugeführt werden darf.

Stellplätze

  • Nicht jeder möchte auf einen Campingplatz, so schön er auch sein mag. Für kurze Besuche einer Ortschaft oder Stadt sind Stellplätze häufig die erste Wahl.
  • Bei Stellplätzen heißt es meist: lesen, lesen, lesen. Schotten haben eine Affinität zum Beschildern von Parkplätzen. Diese muss man schon sehr genau studieren, um die Feinheiten zwischen „Verbot“, „Erlaubnis“, „Begrenzung“, „Ausnahme“, „Spende“ und „Gebühr“ zu ermitteln.
  • Auffällig ist, dass kaum ein Stellplatz eine Ver- und Entsorgung anbietet. Was ist Frankreich gang und gäbe ist, ist hier eine absolute Ausnahme. Dies ist unbedingt zu beachten und der Aufenthalt entsprechend zu planen.

Freistehen

  • Zunächst einmal ist wohl zu klären, was dieser weitreichende Begriff für den einzelnen bedeuten mag. Vermutlich für einige Camper ein Stehen über Nacht, an einem Platz, der nicht als solcher offiziell beschrieben ist. Verbunden damit ist die Annahme, dass das Kriterium kostenfrei ebenfalls eine Rolle spielt. Und noch vieles andere – sei es drum, wir definieren es mal so: es geht um das Stehen an Plätzen, die nicht als Stellplatz oder Campingplatz ausgewiesen sind. Im Folgenden die Handhabung dessen in Schottland:
  • Das schottische Recht ist vergleichbar mit dem schwedischen Allemansrätten, dem Jedermannsrecht. Es räumt denen, die zu Fuß in die Natur gehen, sich dort der Früchte bedienen und dort im Zelt oder freien übernachten müssen, weitreichende Rechte ein. In Schottland wird es sehr treffend als „Outdoor Access Code“ bezeichnet. Das Campieren mit Wohnmobil und Wohnwagen ist mit §7 generell von der Erlaubnis ausgeschlossen.
  • Und es wird durch den Road Traffic Act 1988 weiter eingeschränkt. Das Verlassen von Straßen mit jeglichem Kfz ist definitiv nicht erlaubt. Fahrzeuge dürfen sich maximal 15 Yards (ca. 14 Meter) von der Straße entfernen. Danach ist dann Schluss. Das „Freistehen“ inmitten der Natur schließt sich dadurch ebenfalls aus. Wer also, wie weit verbreitet liest, dass Schottland eines der letzten Länder ist, in denen das Freistehen erlaubt ist, der irrt gewaltig.
  • Erlaubtes Freistehen ist lokal und zeitlich sehr unterschiedlich gestattet und wird durch Anweisungen stark reglementiert. An diese lokalen Regeln sollte man sich unbedingt halten. 
  • Das Wichtigste ist im Übrigen ein ungeschriebenes Gesetz und sollte immer gelten: Die Außenwirkung ist immer und überall zu wahren. Wer das beherzigt, ist überall auf der Welt stets herzlich willkommen.

Propangas

  • Während man in Schweden immer einen professionellen Betrieb findet, der die heimischen Flaschen fachgerecht befüllt, sieht es in Schottland dahingehend schlecht aus. Es bleibt bei Gasknappheit im Camper nur, eine gefüllte Flasche zu kaufen und mit dem in Deutschland gekauften Adapter an das deutsche System anzuschließen.
  • Besser beraten ist, wer einen LPG-Tank oder eine LPG-Flasche hat. Diese können einfach an einer der zahlreich vorhandenen LPG-Tankstellen betankt werden.
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Einkaufen

  • Einkaufen in Schottland macht uns immer sehr viel Spaß. Das Angebot ist in weiten Teilen ähnlich dem deutschen. Aber natürlich gibt es kulinarische Besonderheiten. So stehen bei uns folgende Besonderheiten auf dem Einkaufszettel:
    • Crabbies – schottisches Ingwer-Bier (alkoholisch, nicht mit Ginger-Ale zu verwechseln)
    • Shortbread – Mürbeteig-Gebäck
    • Haggis, Blackpudding, Pies, Scottish Eggs – Metzgerei-Produkte
    • Orangen-Schokolade
    • Irn Bru – Limonade
    • Crisps – Kartoffelchips
    • Cider – Apfelwein
    • Stilton, Cheddar – Käse
    • Tunnocks Tea Cake – Creme-Gebäck
    • und vieles mehr …
  • Das Preisniveau war in den letzten Jahren geringfügig teurer und hat in der letzten Zeit deutlich angezogen. Trotzdem ist es wichtig, in einem Gastland auch einzukaufen.

Essen und Trinken

  • Die schottische Küche ist besser als ihr Ruf. Unser Tipp ist immer der sensationelle Fischimbiss direkt am Fähranleger in Oban. Frischeren Fisch und bessere Meeresfrüchte kann man nur selten genießen.
  • Und selbst wer nicht gerne essen geht, wird früher oder später die Atmosphäre eines schottischen Pubs erfahren und genießen. Das rege Treiben dort ist in keinster Weise mit deutscher Kneipenkultur vergleichbar. Pubs sind in der Regel bis Mitternacht geöffnet. Man holt sich seine Getränke selbst am Tresen, eine Bedienung am Platz ist eher unüblich.
  • Das Rauchen ist analog zu deutschen Regelungen in Pubs nicht gestattet.
  • Zu empfehlen ist in schottischen Pubs neben Ale und Stout definitiv Cider, der sich vom französischen Apfelwein deutlich unterscheidet. Unser Favorit ist und bleibt dahingehend der sehr herbe Strongbow.
  • Beim Bier scheiden sich die Geister in Ale, Lager und Stout. Schottland ist ein Land mit vielen lokalen Craft-Bier Brauereien.
    • Das Ale (oder auch Bitter) ist ein obergäriges Bier, das auf Grund mangelnder Kohlensäure gepumpt wird. Für den deutschen Gast eine Frage des Geschmacks. Ungekühltes Bier ohne Kohlensäure, bis zum äußersten Glasrand aufgefüllt ist nicht jedermanns Geschmack.
    • Lager-Bier ist untergärig mit eigener Kohlensäure, ähnliches eines Pilses. Auch hier werden die Gläser bis oben hin gefüllt, wodurch das Bier keine Blume hat.
    • Beim Stout handelt es sich um ein hopfenbitteres Bier mit einer schwarzbraunen Färbung. Das dunkle obergärige Stout hat einen dichten Schaum. Das kommt daher, dass das Bier mit Stickstoff statt mit Kohlendioxide versetzt wird.
  • Fettnäpfchen: Niemals ein Bier (oder Getränk) vom Tresen nehmen, solange es noch nicht bezahlt wurde.
  • Manche Pubs bieten auch ein einfaches, meist günstiges Pub-Meal an, das sich in der Regel an den lokalen Gegebenheiten orientiert.

Trinkgeld

  • Früher oder später geht es an das Bezahlen und damit verbunden die Frage, ob und wie viel Trinkgeld gegeben wird.
  • 10 – 15 % sind im Hotel, Restaurant oder Taxi üblich. In Restaurants ist der Hinweis “Service included” bzw. “Service not included” zu beachten.
  • Da man sich im Pub das Getränk selbst am Tresen holt, ist ein Tipp unüblich. Es wird allenfalls ein kleiner Tipp als Münze auf dem Tisch gelassen.
  • Fettnäpfchen: Wird man zu einem Drink eingeladen (auch in einer Runde), revanchiert man sich selbstverständlich.

Distillery

  • Eine Destillerie zu besuchen, ist für die meisten Schottland-Urlauber eine Pflichtveranstaltung.
  • Insbesondere bei bekannten Herstellern sollte man einen Besuch rechtzeitig buchen. Die Führungen sind zum Teil über Wochen ausgebucht.
  • Wer meint, in Schottland das Whisky-Schnäppchen zu machen, der wird enttäuscht sein. Entsprechende Sorten sind in Deutschland meist günstiger zu bekommen, wobei ein in Elgin oder Islay gekaufter Whisky selbstredend auch in Deutschland um Welten besser schmeckt als die entsprechende in Deutschland gekaufte Flasche.

Natur

  • Wer nach Schottland fährt, will Natur, Flora und Fauna genießen. Atemberaubende Landschaften machen Schottland zu etwas einmaligem.
  • In Schottland gibt es a) keine Tollwut und b) keine Wölfe. Ansonsten ist allerhand an Getier zu bestaunen, wenn man sich etwas Mühe gibt. Auf Grund der Weitläufigkeit haben die Tiere ihre natürliche Scheu nicht verloren, was das Beobachten von Moorhühnern oder Auerhähnen zum Geduldsspiel machen kann.
  • Bei Wanderungen begegnen man häufig Schafen und Highland-Rindern. Und auch wenn die Tiere freundlich und knuddelig aussehen, sollte ein gewisser Mindestabstand eingehalten werden. Zum einen sollten die Tiere nicht gestört werden – zum anderen ist nicht zu vergessen, dass es Wildtiere sind, die auch entgegen den Erwartungen reagieren können.
  • An vielen Küstenabschnitten sind je nach Jahreszeit Delphine, Seehunde und die sehr beliebten Puffins gut zu beobachten.
  • Auch wenn die mit Kraftfahrzeugen zu befahrenen Gebiete sehr wild und ursprünglich aussehen, durchqueren sie doch häufig wirtschaftlich genutzte Flächen mit Viehbestand. Damit die Tiere nicht wahllos irgendwo hinlaufen, sind Zähne gezogen, die durch sogenannte „Cattle Grits“ passierbar sind. Tiere mögen und können nicht über dies Stahlgitter laufen, Fahrzeuge jedoch drüber hinweg fahren. Dabei sind die Gitterabstände so groß, dass es im Fahrzeug bedrohlich rumpelt. Die Empfehlung ist daher: möglichst langsam darüber hinwegfahren. 

Hunde

  • Die Schotten haben wir, obwohl wir selbst keinen Hund besitzen, als sehr haustierlieb kennen gelernt.
  • Eine allgemeine Leinenpflicht gibt es nicht. Allerdings verweisen wir noch einmal auf die zahlreich vorkommenden und freilaufenden Schafe und Rinder, die ein Anleinen von Hunden häufig notwendig machen. An den Küsten sollten die vielen Kaninchen und im Herbst die großen Landeflächen der Zugvögel ggf. durch Anleinen geschützt werden.
  • Im Gegensatz dazu herrscht in der Regel auf allen Campingplätzen Leinenpflicht.
  • Manche Strände sind Hundeverbote ausgesprochen, andernfalls sind Strände für Hunde offen.
  • Das Mitführen von Hunden in öffentlichen Verkehrsmitteln wird in vielen Städten unterschiedlich gehandhabt. Hier sollte man sich zuvor bei den örtlichen Verkehrsbetrieben erkundigen.
  • Nicht entsorge Hundehinterlassenschaften können zu hohen Bußgeldern führen.
  • Zu Einreise nach Großbritannien bedarf es für den Vierbeiner eine offiziell bestätigte Behandlung gegen Bandwürmer (einen Tag bis 5 Tage vor der Einreise), einen EU-Heimtierausweis, eine Mikrochip-Kennzeichnung und eine gültige Tollwutimpfung (mindestens 21 Tage alt).
  • Es gibt es Hunderassen, die generell nicht nach Großbritannien einreisen dürfen. Diese sind zu erfragen.

Ausreise

  • Und irgendwann endet dann auch der schönste Urlaub und es geht auf die Rückreise.
  • Während die Einfuhr von Lebensmittel nach Großbritannien nur minimal reglementiert ist, sieht es bei der Einfuhr von Gütern nach Europa ganz anders aus. Verboten ist die Mitnahme von Fleisch- und Milcherzeugnissen oder Pflanzen. Honig, Marmelade, Backprodukte etc. stellen in Mengen des persönlichen Verbrauchs kein Problem dar. Es soll lediglich die Einfuhr von Schädlingen oder Krankheiten vermieden werden. 
  • Nicht präsent sind oftmals die von den EU-Zollgrenzen abweichenden Freimengen folgender Waren bei Einreise aus Nicht-EU-Ländern:
    • Bier pro Person: 16 Liter
    • Wein pro Person: 4 Liter
    • Spirituosen pro Person: 1 Liter
    • Zigaretten pro Person: 200 Stück
    • Sonstige Kosmetika/Parfüm/Elektronik pro Person: 430 Euro
  • Durch den Transit durch EU-Länder kaum noch bekannt, fällt auf, dass prinzipiell jeder, aus Großbritannien mit dem Fahrzeug, Einreisender kontrolliert wird. Der Umgang der Überprüfung variiert jedoch: 
    • Papiere
    • Alkoholkonsum
    • Zollfreimengen
    • Lebensmittelzulässigkeit
    • Drogen
    • Waffen
    • Jagdprodukte
    • nicht angemeldete Personen

Wichtige Rufnummern

  • Vorwahl Schottland: +44
  • Vorwahl Deutschland: +49
  • Deutsches Generalkonsulat Edinburgh: +44 131 337 2323
  • Verlust Kreditkarte: +49 116 116
  • ADAC: +49 89 22 22 22

So, und das waren unsere Hinweise, die wir uns im letzten Schottlandurlaub notiert haben. Wir hoffen, dass sie euch weiterhelfen.

Eines noch: mit Sicherheit war die Auflistung nicht vollständig. Sofern ihr irgendetwas vermisst habt, lasst es uns gerne über die Kommentarfunktion wissen.

*  Letzte Aktualisierung am 30.12.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. Amazon-Links sind so genannte Affiliate-Links. Klickst du auf diesen Link und kaufst ein, erhalten wir eine Provision. Für dich verändert sich der ausgewiesene Preis nicht.

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