Reisetipp: Bramsche im Osnabrücker Land

„Was machen wir eigentlich dieses Wochenende?“ Wie jedes Wochenende meine Frage an Wiebke. „Ich fahr doch zu meiner Freundin nach Bramsche, steht auch im Kalender“. „Klar, ich vergesse doch keine Termine …“ entgegne ich und zücke erstmal heimlich mein Handy um zu schauen, wo Bramsche eigentlich liegt. 100 km ist ja nun nicht die Welt und so beschließen wir, mit der Einraumwohnung dorthin zu fahren.

Da ich ja nun in Bramsche auf mich allein gestellt sein werde, gibt es erstmal eine kleine Recherche darüber, was Bramsche so zu bieten hat. Die Seite der Stadt (https://www.bramsche.de/) ist gut aufgebaut und schnell sind die beiden Sehenswürdigkeiten klar. Zum einen geht es um eine Tuchfabrik und zum anderen um die Varusschlacht, von der der ein oder andere vielleicht schon einmal gehört hat.

Nicht?! Dann in ganz kurz: in der Varusschlacht haben die Römer versucht, einen weiteren Teil Germaniens einzunehmen. Dabei haben sie derart einen auf die Glocke bekommen, dass sie von da an solche Aktionen eingestellt haben. Aber dies ist, wie gesagt nur ein kleiner Teil der Geschichte …

Es ist also Freitag: Riemen auf die Orgel, die A1 eine Stunde Richtung Süden und schon sind wir da. Auf der Website der Stadt war zu lesen, dass man gut mit dem Wohnmobil am Schwimmbad stehen kann. Und ja, die Anfahrt ist problemfrei auch für größere Mobile möglich, eine Ver- und Entsorgung und sogar Strom ist vorhanden.

Stellplatz am Schwimmbad

Nachdem wir eine super ruhige Nacht am Schwimmbad verbracht haben, schwingen wir uns auf unsere Räder: Wiebke gen Süden Richtung ihrer Freundin und Frühstück und ich in Richtung Innenstadt und Kultur. 

Vom Stellplatz aus sind es mit dem Fahrrad ungefähr zehn Minuten bis man Mitten in der Fußgängerzone steht, die einen sehr gemütlichen und gepflegten Eindruck macht. Wie mittlerweile in jeder Stadt bestimmen einige Ketten das Bild der Fußgängerzone, die Banken präsentieren sich in den schönsten und größten Gebäude. Schön ist, dass sich in Bramsche scheinbar noch zahlreiche Inhabergeführte Läden behaupten können . Etwas, was man in Großstädten sehr häufig vermisst.

Aber so eine Stadt lebt ja auch immer von ihren Menschen und so finde ich es sehr herzlich, wenn sich schon morgens Anwohner in der Fußgängerzone begrüßen. Berührt hat mich besonders, und wie ich später erfahre auch viele Bramscher, die Geschichte um den Obdachlosen, der scheinbar „auf dem Damm“ lebte und zum Bild der Stadt gehörte. Er war bei sehr vielen bekannt, immer grüßte man sich beim Vorbeifahren und einige kümmerten sich um eine Unterkunft für den Marokkaner. Tragischerweise verstarb er kürzlich bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht. und zahlreiche Menschen haben auf „seiner“ Brücke Abschied von ihm genommen. Das zeigt, dass Bramsche eben keine anonyme Großstadt ist, sondern eine mit 31.000 Einwohner „große“ lebendige Stadt.

Und während ich so die Fußgängerzone einmal hoch und runter bummel, stelle ich mir vor, es wäre keine Coronapandemie und es ist mal eben 20 Grad wärmer. Bestimmt ist hier an einem Samstag Morgen richtig was los.

Nach Tee, Mett-Brötchen und einem Plausch über Gott-und-die-Welt in der örtlichen Bäckerei wird es Zeit, Kulturpunkt Nummer 1 aufzusuchen: das Tuchmacher-Museum.

Ich mag ja Technik-Museen und so stelle ich mich auf ein paar schöne, alte Maschinen ein. Eine Dreiviertelstunde, das soll doch für so ein Museum reichen. Ich werde herzlich begrüsst, die Damen an der Kasse weist mir den Weg in die Ausstellungsräume und erwähnt, dass von Zeit zu Zeit auch die Maschinen so richtig in Betrieb genommen werden. Großartig, historische Maschinen die tatsächlich noch laufen. Und wenn dann auch noch jemand da ist, der das nötige Hintergrundwissen hat – ich wäre mehr als zufrieden.

Ja und so kam es dann auch. Herr Torres ist der Herr der Maschinen und er kann sie nicht nur bedienen, er lebt sie – und zwar jede einzelne davon. Und so fangen wir ganz vorne an und pflücken maschinell Schafwolle auseinander, sorgen dafür, dass die Häarchen alle in eine Richtung liegen, bringen sie als Flies aus, das zu einem Faden gesponnen wird, welcher wiederum in Form von Schuss- und Kettfäden in einer Maschine gewebt wird.

Es rattert und knattert, mechanische Schieber und Regler geben sich ein Stelldichein und gesteuert durch Lochkarten entsteht ein wunderbares Tuch mit klassischem Bauhaus Muster.

Obwohl man es duch die Webseite des Tuchmacher-Museums nicht vermutet, ist dies ein Mitmachmuseum. So werden ganz schnell aus veranschlagten 45 Minuten knapp zwei Stunden.

Der Einraumwohnungs-Topp-Tipp für Bramsche.

By the Way: Wusstet ihr übrigens, dass Bramsche einen eigenen Farbton hat? Es wird das Bramscher Rot genannt und soll in den 1780er Jahren bei Uniformen der Hannoverschen und Britischen Armee vorherrschend gewesen sein, bis es durch einen blauen Farbstoff ersetzt wurde. Noch heute ist nicht bekannt, mit welchen Farbstoffen man die Wolltücher so einfärben konnte.

Nachdem Kultur auf den einen und freundinnengeschnatter auf der anderen Seite sitzen wir gegen Abend in der warmen EInraumwohnung, essen etwas leckeres, hören dem Wind beim Pfeifen und dem Regen beim Trommeln zu.

Zum Stellplatz: Am Schwimmbad gibt es kostenfreien Platz für 4 Wohnmobile, V&Es und Strom ist vorhanden, die Innenstadt ist wie bereits angemerkt, nicht weit und so stellt der Platz eine gute Ausgangsbasis zum Erkunden von Bramsche dar.

Bemerkenswert ist übrigens, wie groß der Aufschrei ist, wenn man mit dem Wohnmobil einmal dort steht, wo man nicht stehen sollte. Ein kleiner Aufreger an dieser Stelle: PKW-Fahrern ist es aber scheinbar völlig egal, ob ein Platz für bestimmte Kraftfahrezuggruppen ausgewiesen ist oder nicht. Selbst auf der Fläche für die Ver- und Entsorgung parken Autos völlig selbstverständlich. Zur Ehrenrettung der Fahrer sei allerdings erwähnt, dass eine Corona-Teststation direkt neben den Wohnmoblstellflächen plaziert wurde. Somit sind die PKW in der Regel nach einigen Minuten verschwunden, dafür wird unsere Corona-Warnapp wahrscheinlich in den nächsten Tagen explodieren.

Nach einer weiteren ruhigen Nacht geht’s los zum Kulturpunkt Nummer 2: Varusschlacht in Kalkriese.

Zuerst Kopfschütteln – es ist uns ein absolutes Rätsel, wie es das Museum hinbekommt, genau so ein Wetter zu bestellen, wie es nach alten Berichten bei der Varusschlacht vorgeherrscht hat: windig, kalt, nass und grau.

So eingestimmt, sind wir mehr als bereit, unserer Museumsführerin zu durch die Dauerausstellung des imposant anmutenden Gebäudes zu folgen und ihr aufmerksam zu lauschen. Ihr großes und kompetentes Wissen macht es uns leicht, die Lebensweise und Situation vor annähernd 2000 Jahren an diesem Ort zu verstehen. Wir sind begeistert von den archäolgischen Funden, die nahelegen, dass hier womöglich die sagenumwobene Varusschlacht stattgefunden haben könnte. Aufzeichnungen und Fundstücke, die es sonst bei keinem anderen in Frage kommenden Areal gibt, deuten darauf hin.

Das Museum bietet zahlreiche beeindruckende Exponate, Grafiken, interessante Bescheibungen und Modelle, die den akutellen Stand der Historiker und Archäologen zu diesem Geschehniss der Varusschlacht widerspiegelt. Und – es gibt viel zu lesen, sehr viel. Daher sind wir sehr froh, das Angebot einer Sonntagsführung in Anspruch nehmen zu können. Ein lebhafter Vortrag, der auch die Beantwortung der ein oder anderen individuellen Frage zulässt, ist ein echter Mehrwert und gefällt uns gut. Sich einer Führung anzuschließen ist daher unsere absolute Empfehlung.

Und nach gut einer Stunde sind wir um einiges vieles Schlauer und wissen nun, dass es sich bei der Varusschlacht nicht um ein Schlachfeld wie bei Maximus im Film Gladiator (der ja den Ruf genießt, dicht an der Realität zu sein) handelt. Nein, die Römer hatten es hier vielmehr mit einem Guerilla-Krieg zu tun, bei dem die Germanen durch die geografischen Gegebenheiten besser gerüstet waren und ihren Standortvorteil geschickt für sich zu nutzen wusssten.

Und durch die Handvoll Römer, die es dann doch noch nach Hause geschafft haben, ist nun auch klar, warum wir Norddeutschen als stattliche Hünen wahrgenommen werden. Die Heimkehrer erzählten nämlich vom Wiehengebirge, so hoch wie die Alpen und von Männern mit einer Statur von Riesen. Und genau so ist es ja auch …

Ein schönes, wettertechnisch durchwachsenes Wochenende im Osnabrücker Land geht langsam zuende und Bramsche hat sich für uns von einem unscheinaren Punkt auf der niedersäschen Landkarte zu einem wirklich sehendwerten Ort für einen Ausflug gemausert.

*  Letzte Aktualisierung am 9.03.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. Amazon-Links sind so genannte Affiliate-Links. Klickst du auf diesen Link und kaufst ein, erhalten wir eine Provision. Für dich verändert sich der ausgewiesene Preis nicht.

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