Navigation-Apps (Stand November 2022)

Das Smartphone als Navigationsgerät setzt sich zunehmend durch und verdrängt stand alone Geräte. Einige machen einen exzellenten Job, auf andere sollte man lieber verzichten. Wir stellen euch drei Apps fürs Motorad, zum wandern und fürs WoMo/WoWa/LKW vor.

App Calimoto

Unsere Begeisterung für Calimoto, eine Navigationsapp für Motorradtouren, dürfte hinlänglich bekannt sein. Das, was wir dort finden, ist das, woran sich andere Apps unserer Meinung nach messen müssen.

  • Bedienung: einfach, intuitiv 
  • Routenvorschläge: super auf das Profil abgestimmt und für attraktiv bewertete Strecken
  • Streckenführung: schnell und effektiv
  • Sprachansage: gute Sprachansage, auf die Bedürfnisse von Motorradreisenden angepasst
  • Visualisierung: sehr reduziert, sowohl im Quer- als auch Hochkantformat für das Motorrad optimiert
  • Offline-Betrieb: vollständig offline nutzbar, was sogar ein altes Smartphone zum Navi macht (Download kostenpflichtig)
  • Betrieb: robust

App Komoot

Und so haben wir während der Wandertouren die App Komoot genutzt. Bereits in Deutschland habe ich die Premium Version für 30 Euro gekauft. Damit soll das Herunterladen von weltweitem Kartenmaterial möglich sein. 

Also zunächst alle verfügbaren Offline-Karten für Schottland heruntergeladen, was problemfrei möglich war. Bei einer kleinen Runde in Ullapool hat die Navigation anhand einer von einem anderen Nutzer angelegten Route gut funktioniert. Das Gerät meldete, wo man war, wo man hin musste und am Ende gab es obendrein noch eine schöne Statistik, die man mit seinem Lieblingsbild der Route speichern und mit Freunden teilen konnte. 

Die Planung einer Route ist anders als bei anderen Apps und gewöhnungsbedürftig. So können beispielsweise Wegpunkte angelegt werden, die uns dann aber in der Kartenansicht nicht mehr angezeigt wurden. Sehr irritierend – das macht keinen Spaß. Auch ist das Abbrechen einer Routenplanung alles andere als intuitiv. Gut sind die bereits angedeuteten Wanderrouten, die andere Outdoor-Begeisterte zur Verfügung gestellt haben. Da kann Komoot wirklich punkten.

Übersicht

Bei der nächsten Tour am Loch Muick sollte die App nun richtig unter Beweis stellen, was sie kann. Und dabei versagte sie in meinen Augen gänzlich. Wir hatten nämlich kein Netz mehr –  das, was Calimoto in Perfektion kann (nämlich eine schnelle und zuverlässige Routenplanung ohne Internetverbindung), da scheitert die Wander-App auf ganzer Linie. Und ich finde, das ist schon ziemlich skurril, zumal Wanderrouten häufig ins digitale Off führen. 

Nun kann man beim Wandern mit gutem Kartenmaterial auf ein automatisiertes Routing verzichten. Aber zumindest sollte eine Planung möglich sein, zumal man ja zuvor die Offline-Karten heruntergeladen hat. Aber auch das funktioniert in unserem Fall nicht und die Frage nach dem Sinn einer solchen App kommt da schon auf. Nun gut, dann also die Karte genau studieren und sich die Route merken. Und man ahnt es, auch das Kartenmaterial scheiterte auf ganzer Linie, da es, obwohl es ein stark frequentiertes Wandergebiet ist, nur einen Bruchteil unserer Wandertour abdecken konnte. Wohlgemerkt, es gab keine weiteren Downloads für dieses Gebiet.

Und als ob es nicht noch schlimmer kommen könnte, war etwa bei der Halbzeit der Tagestour auf einmal der zuvor verfügbare Teil der Offline-Karte weg. Einfach weg, nicht mehr aufrufbar. Glücklicherweise war der Weg auch ohne Wanderkarte gut einschätzbar. Das haben wir aber in dem Wandergebiet auch schon ganz anders erlebt, was fatale Folgen gehabt hätte. 

Fazit dieser App anhand der Referenz: Gut geeignet für ambitionierte Spaziergänge, weniger für eine Offline-Routenplanung mit ernstem Charakter. Die Stärke liegt in der Datenbank mit Routen von Usern. 

  • Bedienung: gewöhnungsbedürftig bis unpraktisch
  • Routenplanung: sofern eine Onlineverbindung vorhanden ist, funktioniert die automatische Planung gut, manuelle Planung umständlich 
  • Streckenführung: soweit ein System das bei Wanderwegen hinbekommt, macht die App einen guten Job
  • Sprachansage: ja, gut
  • Visualisierung: ja, gute Wanderkarten
  • Offline-Betrieb: nicht möglich bzw. lediglich eine Kartenansicht ohne Planung und Navigation
  • Betrieb: robust, die App läuft stabil – in unserem Fall war jedoch heruntergeladenes Kartenmaterial ohne Vorwarnung nicht mehr verfügbar 

App Autonavigation Road Lords

Tja, und dann sind wir auch schon wieder bei dem leidigen Thema der Autonavigation für Wohnmobile, Gespanne und LKW. Bisher sind wir mit dem Garmin DezlCam, einem Navi speziell für LKW, ziemlich gut gefahren. Doch in Punkto Aktualität manifestiert sich zunehmend der Eindruck, dass man um Navis oder Apps mit fortlaufender Datenaktualisierung nicht herumkommt. Und was bietet sich da besser an als ein Smartphone oder ein Tablet. Daher lief bei uns häufig Google Maps mit: eine hervorragende App, die auf Millionen von Echtzeit User-Daten zurückgreifen kann. Nur fehlt leider der Knopf einer fahrzeugspezifischen Streckenplanung.

Auslöser, sich Mal wieder mit dem Thema Autonavi zu beschäftigen, war eine TomTom Werbung für eine neue LKW-App. Und bevor man wild etwas installiert, was einem dann doch nicht gefällt, habe ich die Kommentare gelesen. Und wow, da kommt man sich vor wie im circus maximus im alten Rom. Also erst einmal die Hälfte der Aussagen abziehen. Doch auch nach der subjektiven Einordnung wurde mein Verlangen nicht gesteigert, diese App auszuprobieren. Aber es fielen mir Kommentare bzgl. einer App auf, bei denen die User sehr angetan zu sein schienen: Road Lords.

Mal ehrlich: was ist denn das bitte für ein komischer Name für eine App? Irgendwie eigenwillig. Trotzdem im App-Store reingeschaut und siehe da, ganz schön viele zufriedene Nutzer. Also los – installieren. 

Der erste Eindruck der App Road Lords war super. Es gibt Apps, da fühlt man sich einfach wohl. Einschalten und bedienen. Dann folgen die obligatorischen Spielchen: Fahrzeugdaten erfassen (max. drei Fahrzeugkonstellationen), GPS Koordinaten bzw. Ort eingeben, ein paar Einstellungen vornehmen und losfahren. 

Spezifische Einstellungen wie Sprache, Kartenansicht, Längeneinheiten (Kilometer oder Meilen), bevorzugte Routenplanung, Farbschema u.v.m. sind möglich. Dabei beschränkt sich die App auf Wesentliches und Notwendiges. 

Interessant ist das Konzept des crowdsourced content. Dabei unterstützen Fahrer:innen die Weiterentwicklung der Informationen aktiv. Ein Knopfdruck und ein bisher noch nicht bekannter Parkplatz oder eine Tankstelle sind ergänzt. Für jeden Eintrag können Punkte gesammelt werden: allein Ruhm und Ehre erwarten die Unterstützer. 

Während der Fahrt werden wichtige Infos wie max. zulässige Geschwindigkeit, aktuelle Geschwindigkeit, Restzeit und Kilometer, Karte und Fahranweisungen angezeigt. Ein Button, um Blitzschnell einen Diebstahl, Unfall oder Blitzer zu erfassen, findet man unten links. Rechts kann im Bedarfsfall eine Liste mit bevorstehenen Points of Interest (Parkplätze, Tankstellen, Blitzer, Grenzen …) eingeblendet werden.   

Und abschließend führt ein Klick auf die Infoleiste ganz unten zu Schnelleinstellungen wie Fahrzeugdaten oder Parametern, die vermieden werden sollen (zum Beispiel Autobahnen). Letztendlich kann auch eine begonnene Navigation über dieses Menü abgebrochen werden.

So ganz abschließend möchte ich noch keine finale Bewertung abgeben, aber bisher macht die App einen exzellenten Eindruck. Die Ansagen sind sehr präzise und gut verständlich, die Oberfläche wirkt aufgeräumt und die Eingaben sind easy peasy.

Nun das wichtigste, das Verhalten während der Fahrt. Doris, so heißt das wirklich verständliche und mit einer sympathischen Stimme ausgestattete Sprachpaket der App, leitet gut durch den Verkehr. Dabei variiert die Ansage, was man am besten am Kreisverkehr deutlich machen kann. Erst wird dieser ohne weitere Infos angekündigt, dann folgt der Hinweis auf die zu nehmende Abfahrt, die in größeren Kreiseln um die ausgeschilderte Richtung ergänzt wird.

Manchmal fehlen jedoch Infos, so wäre es schön gewesen, wenn in Ijmuiden nicht nur die zu befahrene E22 angesagt wird, sondern auch in welche Richtung (Amsterdam oder Alkmaar) man fahren muss, denn beide Abfahrt lagen unmittelbar hintereinander. Auf dem Display war diese Info übrigens zu sehen. 

Die App versorgt die Reisenden während der Fahrt mit zusätzlichen visuellen Infos, die auf Wunsch auch durch einen Piepton angekündigt werden, z. B. enge Kurven. Auch zusammenführende Spuren oder komplexe Kreuzungen werden zusätzlich visualisiert. Rote Straßen zeigen Staus an, fließender Verkehr wird mit der Farbe blau dargestellt. Ohne Warnung werden dann noch Zusatzinfos wie Einfahrtsverbote oder Tankstellen in der Karte markiert.

Kommen wir noch zu einem netten Gimmick: Damit Daheimgebliebene wissen, wann sie Teewasser aufsetzen sollen, haben wir uns der Funktion ‘Route teilen’ bedient. Dort wird textuell das Ziel und die wahrscheinliche Ankunftszeit generiert. Doch das Highlight folgt noch: Über einen Link können andere live sehen, wo man gerade ist. Eine sinnvolle Funktion.

Ein vorläufiges Fazit der kostenfreien App (Offline-Karte muss gekauft werden) erfolgt wieder anhand der Liste:

  • Bedienung: einfach, intuitiv
  • Routenplanung: mehrere sinnvolle, auf die Fahrzeuggröße abgestimmte und visualisierte Routen, von denen eine ausgewählt wird; Wegepunkte sind schnell integriert
  • Streckenführung: flexible und schnelle Reaktion auf neue Strecken, Echtzeitverkehrslage wird mit berücksichtigt
  • Sprachansage: sehr verständlich und aussagekräftig
  • Visualisierung: klar strukturiert ohne Information-Overload
  • Offline-Betrieb: kann gegen eine jährliche Gebühr zugebucht werden
  • Betrieb: robust, bisher ohne Ausfälle, läuft hervorragend im Hintergrund mit

Ist es nun die perfekte App für LKW und Freizeitfahrzeuge?

Wie erwähnt, ist es noch ein wenig zu früh, ein Urteil abzugeben. Der erste Eindruck ist jedenfalls sehr gut, wobei man ja nie eine absolute Fehlerfreiheit bei einem Navi erwarten und es nie zum Ausschalten des Verstands führen darf. Zu komplex ist die Berechnung mit einer zum Teil lückenhaften Datenbasis. Im Vergleich zu anderen Navigatios-Apps darf sich Road Lords ganz vorne einreihen. Schnelligkeit, Bedienung und Preis-/Leistung haben uns überzeugt.

Und wenn man sich etwas für die zukünftige Entwicklung der App wünschen dürfte, wäre es eine etwas mittigere Darstellung des eigenen Standortes der Karte. Auf unserem Smartphone hat man in der genordeten 2D Ansicht bei Fahrt in Richtung Süden zu viel gefahrene und zu wenig bevorstehende Strecke gesehen (in der 2D/3D Ansicht in Fahrtrichtung wird es perfekt dargestellt). 

Wir sind mit dieser Navigations-App bisher sehr zufrieden. Ich würde mich freuen, wenn ihr fleißig zum Thema Navigeräte oder Apps kommentiert.

3 Gedanken zu „Navigation-Apps (Stand November 2022)

  • 1. November 2022 um 12:33
    Permalink

    Moin Knut,
    interessanter Beitrag! Nachdem ich auch schon einige Geräte und Apps zum Navigieren durch habe, nutzen wir derzeit immer noch ein Intelliroute 8020. Das ist im Prinzip ein Android-Tablet mit einer Navigationssoftware. Grundlage sind die HERE-KArten.
    Funktioniert recht gut, man kann die Fahrzeugmaße einstellen, Manko ist der absolut lahme Start des Gerätes.
    Ich werde also mal den Straßen-Lord ausprobieren.
    Aber -wenn ich das richtig verstanden habe- funktioniert der kostenlos nur über eine Datenverbindung. Richtig?

    Herzliche Grüße
    Eugen

    Antworten
    • 1. November 2022 um 14:59
      Permalink

      Ja, so ist es. Die Downloadvariante in kostenpflichtig.

      Antworten
  • 2. November 2022 um 7:59
    Permalink

    Moin, aus Hamburg!
    Vielen Dank für euren Praxisbericht. Persönlich habe ich in der Vergangenheit Erfahrung im Bereich LKW – Navigation mit der App Sygic gemacht, auch mit dieser konnte ich offline-Karten verwenden, habe für Lkw – und LKW Gespann-Fahrten sinnvolles Routing und gute Hinweise auf bevorstehende, fahrzeugspezifische Verbote und Gefahrenstellen bekommen. Günstig ist Sygic nicht, es scheint sich an gewerbliche Nutzer zu richten. In Australien, Nord Amerika und einigen Ländern Europas hat es für mich bislang gut funktioniert.
    Erstaunt bin ich über eure negativen Erfahrungen mit Komoot. Wenn man sich in die Routenplanung – die allerdings sinnhafter Weise am Laptop oder mindestens am Tablet erfolgen sollte – ein gefaxt hat, wurden diese Routen in der Vergangenheit bei meiner Anwendung von kommod sehr gut abgearbeitet. Nun bin ich aber auch vorwiegend per Fahrrad unterwegs, das mag vielleicht ein Unterschied machen. In England, Schottland, Österreich, Spanien, Frankreich, Polen und natürlich auch Deutschland (dieses Jahr von Hamburg nach Würzburg mit dem Fahrrad) hat Komoot bei mir ausnahmslos sehr gut funktioniert. Kaum Abstürze, nachvollziehbares Trekking, problemloses laufen im Hintergrund und auch sehr gute Möglichkeiten, Routen mit Freunden zu teilen – und noch die community, die ihre Routen und Erfahrungen sowie Sport – spezifische Point of interest, mit den anderen Nutzern teilen – das macht kommot für mich zu einem ganz wertvollen Tool im Bereich von wandern und Fahrradfahren.
    Euch weiter gute Fahrten und viel Spaß an touren,
    Carsten

    Antworten

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