Fenster neu eindichten

Tja, und irgendwann passiert es dann. Es tröpfelt aus einer Dachluke oder dem Fenster. Pfusch am Bau oder einfach Karma? Die Antwort ist ganz einfach – Verschleiß.

Regen, Sonne, Hitze, Kälte, Salzwasser und Waschanlagen in Verbindung mit kleinsten Vibrationen und Verwindungen zerren unermüdlich am Klebe- und Dichtmittel und können im schlimmsten Fall dazu führen, dass Mikrorisse entstehen und Feuchtigkeit nicht mehr abgehalten wird.

Demnach steht früher oder später dann einmal das Abenteuer des Neu-Eindichtens einer Dachluke oder eines Fensters an.

Und so stellt sich dem geneigten Leser die Frage, warum hier von eindichten und nicht vom neu verkleben geschrieben wird. Es macht einen immensen Unterschied, ob etwas geklebt oder gedichtet wird. Bei einem Dichtstoff versiegelt eine Dichtmasse im Prinzip kleine Unebenheiten zwischen Koffer/Fahrzeug und dem aufgesetzten Rahmen eines Fensters oder einer Luke. Diese Dichtmasse bleibt auch noch nach Jahren elastisch. Eine verlässliche Klebekraft bieten diese Dichtstoffe nicht – müssen sie auch nicht, da Luken-/Fensterrahmen zusätzlich immer verschraubt werden.

Im Gegensatz dazu verklebt eine Klebemasse zwei Teile formschlüssig und dauerhaft je nach Kleber mit unterschiedlicher Haftkraft. Spezielle Kleber bieten über die Eigenschaft der Klebeleistung zudem den Vorteil, in Grenzen elastisch zu bleiben (sogenannte Klebe- und Dichtmassen).

Wer nun glaubt, unreflektiert einfach den Klebe- und Dichtstoff mit der höchsten Klebekraft zu nehmen, der irrt. Es gilt nicht, „je mehr desto besser“, sondern die beste Auswahl den Zweck betreffend zu wählen.  

Fenster neu eindichten

Zunächst erfolgt der Ausbau des undichten Fensters. Und das ist gar nicht so einfach. Nachdem der Innerahmen (häufig geclippt) entfernt wurde, kann die Demontage erfolgen. Dabei kann ein Dichtstoff den Rahmen des Fensters oder der Luke schon ganz schön fixieren. Demnach ist Geduld angesagt, um beides beschädigungsfrei zu trennen:

Eigene Erfahrungen:

  • Dachluke: Zunächst werden alle Klammern, die den Rahmen an die Innenseite der Wand ziehen gelöst. Je nach Luke muss ebenfalls eine Kurbel demontiert werden. Nun mit Geduld, Oszillationsschaber, Spachtel oder Cutter versuchen, ein wenig Spiel zwischen Rahmen und Außenhaut zu schaffen. Ist das gelungen, leistet ein guter Cutter wertvolle Dienste. Wir haben sehr gut Erfahrungen mit dem Knipex Cutix gemacht, denn a) werden Klingen sehr stabil geführt, und b) haben die langlebigen Originalklingen eine Art Beschichtung, die den Widerstand des Dichtmittels merklich minimiert. Zu vermeiden ist das kraftvolle Hochziehen
    des Rahmens, um die Dichtmasse zu lösen, denn das würde der Rahmen nicht verkraften.

  • Fenster: Auch hier werden zunächst alle Klammern, die den Rahmen an die Innenseite der Wand ziehen gelöst. Nun mit Geduld und einem stumpfen Gegenstand versuchen, einen feinen Spalt zwischen Rahmen und Wand zu schaffen. Diesen haben wir mit kleinen Holz-Pommes-Gabeln nach und nach um das gesamte Fenster so lange geweitet, bis die Dichtmasse aufgegeben hat.

Wer nun das Gefühl hat, dass ein Fenster oder eine Luke sich überhaupt nicht überreden lässt, sich zu lösen und auch der Cutter keinen nennenswerten Erfolg vorweisen kann, hat vielleicht das größte Malör vor sich, dass man sich beim Fenstertausch vorstellen kann: Es wurde nicht eingedichtet, sondern verklebt. Und das passiert nicht nur bei ambitionierten, aber desinformierten Selbstausbauern, sondern selbst bei renommierten Herstellern sind Fenster schon eingeklebt worden. Einen allgemeinverbindlichen Tipp, wie hier zu verfahren ist, gibt es nicht. Es bleibt nur festzuhalten, dass ein erhöhter Arbeits- und Reinigungsaufwand erfolgen muss.  

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Rahmen und Aufbau säubern

Unserer Erfahrung nach folgt nun der mühsamste Teil der Instandsetzung. Die alte Dichtmasse muss restlos entfernt werden:

  • Mit einem stabilen und nicht scharfkantigen Gegenstand (zum Beispiel Kunststoffspatel oder Schraubendreher) grobe Teile der Dichtmasse durch Schaben entfernen.
  • Kleinere Stückchen lassen sich mit alter Dichtmasse oder einem Paketklebeband sehr gut abtupfen.
  • Zum Schluss einen verbliebenen feinen Film mit Waschbenzin einreiben und einem Lappen abwischen. Das muss möglicherweise mehrfach wiederholt werden.

Wer meint „och, das passt schon“, liegt falsch. Sämtliche alte Dichtmasse muss runter.

Fenster reinigen

So kurz vor dem Ziel, die neue Dichtmasse aufzutragen, verlieren viele Handwerker die Nerven und legen einfach drauf los. Das sind dann die Fälle, bei denen man im WWW liest: „Ich habe überall genügend Dichtmasse auftragen, es haftet aber nicht an“. Und das ist auch gut nachzuvollziehen, denn ein fettiger Fingerabdruck ist der größte Feind einer dauerhaften Dichtung/Verklebung.

Bei der Wahl eines geeigneten Reinigers ist gut Obacht zu geben. Einerseits soll er die Oberflächen reinigen, selbst nicht rückfettend und verträglich mit der Dichtmasse sein und Kunststoffe natürlich nicht irreparabel angreifen. Wir verlassen uns bei der Wahl des Reinigers auf den Hersteller der Dichtmasse und nutzen Dekaclean. Nach dem Abwischen (wie das gemacht wird, seht ihr im Video), sollten einige Minuten zum Abdampfen des Reinigers eingeplant werden.   

Dichtmasse auftragen

Nun ist es soweit! Ran an die Kartusche. Wir haben von Dekalin Dekaseal 8936 genutzt, das praktischerweise in handelsüblichen Kartuschen ausgeliefert wird, wie man sie aus dem Baumarkt bei Silikon, Acryl und Co. kennt. Glücklicherweise haben wir einen Kompressor mit druckluftbetriebener Kartuschenpresse. Diese arbeitet ebenso schön gleichmäßig, wie eine Akkupresse. Aber auch eine Handpresse leistet gute Dienste, auch wenn man am Ende der Arbeit das geleistete deutlich am eigenen Körper merkt.

Äußerst praktisch ist die perfekt zugeschnittene Tülle, die auch den ungeübten Hobbyhandwerker eine idealtypische Wulst auf den Rahmen zaubern lässt.

Wie viel muss man an Dichtmasse einrechnen? Das ist schwer zu sagen, aber als Faustregel braucht man eine Kartusche für eine 40×40 cm Luke, also in der Summe 160 cm pro Kartusche.  

Dekalin L0906G DekaSeal 8936 - lichtgrau*
  • Der Klassiker unter den Dichtungsmassen. Das Dichtmittel Dekalin Dekaseal 8936 besticht durch hohe Dichtigkeit, UV-Beständigkeit sowie Elastizität, da sie nicht aushärtet und etwas dauerklebrig bleibt. Optimal für den Einsatz bei Anwendungen ohne sichtbaren Fugenrand (Klappen, Luken, Seitenfenster, Kederleisten, Außensteckdosen etc.).
  • Zusätzliche Reinigungsarbeiten entstehen nicht, da sich überstehende Reste durch Abtupfen leicht und ohne Rückstände entfernen lassen.
  • Abdichtung von: Dachhauben, Türen und Luken, externen Aufbauten, Löchern & Bohrungen, Öffnungen & Durchlässen, Abflüssen, Leitung, Zierleisten, Klappen
  • Untergründe: Lacke, Aluminium, ABS, PMMA, Holz, Sperrholz
  • Hinweis: Nicht lackierbar --- Farbe: Hellgrau --- Inhalt: 310ml pro Kartusche --- Material Polyisobuten

Fenster einsetzen

Und nun ist die Schlacht fast geschlagen. So wie das Fenster bzw. die Luke entfernt wurde, so wird sie auch wieder eingesetzt. Sobald sie sitzt, werden die Klammern nach und nach mehrfach angezogen. Doch Achtung, je fester angezogen wird, desto mehr Dichtmasse wird herausgepresst. Da gilt es, das richtige Mittelmaß zu finden. Am besten macht man das zu zweit, wobei eine Person im Innenraum die Schrauben anzieht und eine weitere auf der Außenhaut schaut, wie weit sich der Rahmen herangezogen hat.

Und wie lange muss das nun trocknen? Im Prinzip gar nicht. Während Klebe- und Dichtstoffe wie Dekasyl mindestens 24 Stunden trocknen müssen und somit das Fahrzeug nicht bewegt werden soll, können Fahrzeuge mit unmittelbar eingesetzten Dichtstoffen wie Dekaseal sofort bewegt werden. Schon nach gut 5 Minuten hat sich eine Haut auf der Versiegelungsnaht gebildet.

Wenn nun sauber gearbeitet wurde, dürfen sich Besitzerinnen und Besitzer eines Fahrzeugs über gut abgedichtete und trockene Fenster und Luken im Fahrzeug freuen.

Wir hoffen, unser kleiner Praxisbericht hilft euch. Hinterlasst doch gerne einmal einen Kommentar.

*  Letzte Aktualisierung am 9.03.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. Amazon-Links sind so genannte Affiliate-Links. Klickst du auf diesen Link und kaufst ein, erhalten wir eine Provision. Für dich verändert sich der ausgewiesene Preis nicht.

2 Gedanken zu „Fenster neu eindichten

  • 2. Oktober 2022 um 10:51
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    Und immer schön Handschuhe tragen – vor allem beim Reinigen mit entfettenden Mitteln ist das besser für Haut. Die Dichtungsnaht sieht sehr professionell aus, das schaffe ich mit der Handpresse nicht so schön.

    Was mir auffällt, ist dass die Dekaseal-Nähte nach kurzer Zeit von außen etwas brüchig aussehen und Dreck an ihnen anhaftet. Ich habe zwei Kippfenster bei mir getauscht bisher. Aber das gehört wohl so. Dicht sind die bisher – jetzt tropft es durch das Heki im Wohnraum. Irgendwas ist ja immer :-/

    Antworten
    • 3. Oktober 2022 um 7:09
      Permalink

      Wie wahr 🙂 Nach dem reparieren ist vor dem reparieren.

      Antworten

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