Eine Klimaanlage ist eine feine Sache, sofern man warme Gefilde bereist. Hersteller wie Teleco oder Dometic bieten für Wohnwagen oder Wohnmobile qualitativ hochwertige und entsprechend dimensionierte Klimaanlagen an.

Arten

Dachklimaanlagen

Das Prinzip ist simpel und effektiv: Die warme Luft, die sich unter der Decke sammelt, wird angesogen, in der Anlage gekühlt und als angenehm kühle Brise wieder in den Raum geleitet. Da die kalte Luft schwerer ist und absinkt, wird es schnell kühl im gesamten Raum.

Vorteile:

  • Einbau: Passend in eine vorhandene Dachhaube mit den Maßen 40×40 cm. Auch der Austausch oder eine Reparatur im Schadensfall sind problemlos möglich.
  • Kein Platzverlust: Die Klimaanlage nimmt keinen wertvollen Stauraum weg.
  • Effiziente Kühlung: Schnell installiert, sorgt sie für rasche Abkühlung.

Nachteile:

  • Weniger Tageslicht: Normalerweise geht durch den Einbau der Dachhaube etwas Licht verloren.
  • Geräuschentwicklung: Vor allem nach außen hin sind Dachklimaanlagen oft hörbar.
  • Veränderung im Fahrverhalten: Das zusätzliche Gewicht auf dem Dach kann den Schwerpunkt des Fahrzeugs verändern und damit das Fahrverhalten beeinflussen.

Staukastenklimaanlagen

Das Kühlprinzip ist der Dachklimaanlage ähnlich. Jedoch lässt sie sich einfach im Stauraum eines Fahrzeugs verstauen, wie in der Sitztruhe, unter dem Bett oder an einem anderen geeigneten Ort. Die kühle Luft wird dann durch drei Luftrohre nach oben in den Innenraum geleitet und an mehreren Stellen ausgeblasen.

Vorteile:

  • Freie Platzwahl für die Ausströmer: Man entscheidet selbst, wo die Luftauslässe installiert werden.
  • Fahrdynamik: Da die Klimaanlage unten im Fahrzeug installiert wird, verlagert sich der Schwerpunkt nach unten, was sich im Zweifelsfall positiv auf die Fahreigenschaften auswirkt.
  • Flüsterleise: Im Vergleich zu anderen Klimaanlagen arbeitet die Staukastenklimaanlage relativ leise.
  • Dachfenster bleibt frei: Es muss kein Lichteinlass geopfert werden, um die Klimaanlage zu installieren.

Nachteile:

  • Einbauaufwand: Es erfordert einiges an Arbeit, sowohl die Klimaanlage selbst als auch die Luftrohre einzubauen.

Mobile Klimaanlagen

Mobile Klimaanlagen sind häufig so konstruiert, dass ein Teil der Anlage im Camper ist, während die zweite Hälfte am Fenster eingehängt außerhalb des Fahrzeugs ist.

Vorteile

  • Kosten: Deutlich tiefer im Preis als Dachklimaanlagen oder Staukastenklimaanlagen.
  • Mobil: Tragbare Anlagen, die überall hinzustellen sind.
  • Einbauaufwand: Keine Montage nötig.

Nachteile

  • Geräuschentwicklung: sehr laut, vorwiegend für die Nachbarn
  • Kühlleistung: nicht sehr effektiv im Vergleich zu den o.g. Anlage

Klingt eigentlich ganz gut, allerdings wird in den Foren immer wieder die enorme Lärmentwicklung im Außenbereich kritisiert.

Pseudo-Klimaanlagen

Jedes Jahr wieder werden die Befeuchteranlagen diskutiert. Diese zeichnen sich durch niedrige Kosten in der Anschaffung und im Betrieb aus. Und auch in puncto Lärm haben diese Anlagen gute Werte.

Also die ideale Anlage für Camper?

Nein, nein und nochmals nein. Diese Anlagen kühlen den Raum nicht runter, sondern verschaffen lediglich das Gefühl der Kühle durch Befeuchtung der Luft. Während zuvor genannte Anlagen die Luft entfeuchten, wird hier die Luft mit Feuchtigkeit versetzt, was mit Sicherheit nicht gut für Wohnwagen und Wohnmobile ist. Von einer möglichen Gefahr einer Verkeimung der Luft wollen wir an dieser Stelle nicht weiter reden.

Zimmerklimaanlagen

Eine Zimmerklimaanlage ist nicht per se für das Wohnmobil oder den Wohnwagen konstruiert. Das fängt bei einem ungünstigen Schwerpunkt und sperriger Bauweise an und endet in verbauten Kompressoren, die nicht speziell für ruckelige Piste gedacht sind. Dennoch gibt es Reisende wie uns, die es trotzdem mit diesem Gerät probieren.

Da für unser Reiseverhalten mit den Gebieten Schottland und Skandinavien ansonsten keine dauerhafte Klimaanlage in Betracht kommt, haben wir uns antizyklisch im Winter eine De’Longhi Pinguino PAC EM82 für 220,00 Euro zugelegt. Diese soll Räume bis zu 80 m³ kühlen und entfeuchten.

Während der Reise verstauen wir die Anlage im Laderaum, in der Zielregion steht sie dann in der Einraumwohnung. Im Probebetrieb war die Anlage, genauso, als wenn sie im heimischen Zimmer stehen würde, deutlich hörbar. Ob der Geräuschpegel ‎von 63 dB aushaltbar ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für uns ist das insoweit in Ordnung, als dass wir dabei gut schlafen können.

Abluftproblematik

Die größte Herausforderung im Camper ist es, die Abluft über einen Schlauch nach außen zu führen. Dabei stellte sich heraus, dass der mitgelieferte Schlauch derart kurz uns starr ist, dass wir uns einen alternativen bestellt haben. Die Anschlüsse des alten Schlauchs konnten problemlos übertragen werden.

Doch wie führt man die Wärme aus dem Camper heraus?

Natürlich könnte man an geeigneter Stelle ein Loch in den Boden bohren und das Rohr herausführen. Aber ernsthaft? In den Camper eine 15 cm große Öffnung bohren? Das macht keiner. Also scheint die Fenster zu nutzen eine gute Idee zu sein.

Wer einen Kastenwagen oder teilintegriertes Mobil fährt, hat es gut. Eine Schablone mit den exakten Maßen des Türfensters zu basteln, ist schnell gemacht. Fenster ein Stück öffnen, Schablone rein und wieder schließen. Fertig. Es bleibt genug Fenster für Licht und Ausblick übrig.

Foto: H. Neuenhüskes

Doch was ist mit den Wohnwagen und Wohnmobilen, wo man auf die Standard-Aufbaufenster angewiesen ist – so wie bei uns? Da haben wir uns etwas einfallen lassen.

DIY-Anleitung Abluftherausführung für Standard Camperfenster

Wir haben zunächst eine Schablone aus Pappe erstellt. Letztlich will man ja beim Maß absolut sicher sein.

Mit diesen exakten Maßen haben wir überlegt, eine Sperrholzplatte oder eine Styrodurplatte zu erstellen. Die Idee war so lange gut, bis wir das Ergebnis gesehen haben. Kurzum, das sieht aus wie auf einer Baustelle im Rohbau. Zudem kam kein Licht mehr in den Camper.

Nach einer kurzen Recherche haben wir die Firma H&S Kunststofftechnik GmbH aus Siegen gefunden, die Plexiglas ganz individuell zuschneidet und versendet.

Damit alles formschön aussieht und funktionell ist, haben wir dort folgenden „Rohling“ bestellt:

  • Exakte Breite und Höhe des Bereichs innerhalb des Fensterrahmens
  • Eckradius: Damit das Fenster gut schließt, haben wir uns für die Form Rechteck mit abgerundeten Ecken entschieden
  • Farbe: Blick durchlässig, mit getöntem grau (entspricht in etwa dem, was wir jetzt auch als Fenstertönung haben)
  • Stärke: 3 mm
  • Veredelung: entgratet

In unserem Fall sieht das Ganze dann im Konfigurator so aus:

Etwas diffizil ist die Aussparung für den Abluftschlauch. Wir haben uns dazu entschieden, kurzerhand die mitgelieferte Fensterdurchführung zu nutzen. Diese schafft Stabilität und nimmt den Schlauch perfekt auf, der nach Gebrauch auch rasch wieder entfernt werden kann.

Die entsprechende Öffnung durch das Plexiglas kann direkt mit in Auftrag gegeben werden.

Kostenmäßig ist das Ganze überschaubar, bedenkt man, dass man weiterhin freie Sicht und eine hochwertige Ausführung hat.

Nach der Lieferung sind entsprechende Aussparungen für die Scharnierbügel des Fensters herauszuschneiden. Ein Forstnerbohrer (20 mm) leistet dabei gute Dienste.

Die Plexiglasscheibe wird bei geöffneten Fenster einfach in die Feststellhalterungen des Fensters geschoben und am oberen Ende durch die Jalousie fixiert.

Und so sieht das Ganze dann fertig aus:

Sehr zum hochwertigen Eindruck trägt die getönte Ausführung bei. Diese Entscheidung bei der Bestellung integriert die Scheibe nahtlos ins Gesamtkonzept des Wohnmobils.

Videobeschreibung

Letztlich ist das Ergebnis genau so, wie wir uns das für eine mobile Zimmerklimaanlage vorgestellt haben. Dass man die Scheibe nicht bei Fahrt nutzen kann und sie einem Einbrecher nicht standhalten würde, muss wohl nicht extra erklärt werden. Die Hitze der US-Amerikanischen Wüste kann also kommen.

*  Letzte Aktualisierung am 16.06.2024 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. Amazon-Links sind so genannte Affiliate-Links. Klickst du auf diesen Link und kaufst ein, erhalten wir eine Provision. Für dich verändert sich der ausgewiesene Preis nicht.

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Von admin

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