Unsere Schwedenreise 2018

Eine Zusammenfassung unserer tollen Schwedenreise.

3. Juli: Fotö meine Perle

Im vergangenen Sommer war ich kurzfristig schock-verliebt – in die kleine Insel Fotö im Göteborger Schärengarten. Ich wollte nicht wieder nach Hause, so schön ist es hier. Läuft man durch den Ort, hat man das Gefühl Kalle, Pelle, Bosse und Co. kommen um die nächste Ecke geflitzt. Steht man auf den Felsen, scheint der Horizont unendlich weit. Und deshalb war eigentlich letztes Jahr schon klar, dass wir wieder kommen.

Aber von vorn: Am Sonntag Morgen um 5 Uhr hat uns und ein paar andere Menschen und Tiere mit Autos und Wohnmobilen und Wohnwagen die Fähre in Varberg ausgespuckt. Taghell und strahlender Sonnenschein – was für ein Empfang!

Unsere erste Station in unserem persönlichen “heiligen“ Land stand wie jedes Jahr fest: Ullared – genauer gesagt Gekås Ullared mit seinem 86 Kassen und 10000 Einkaufswagen. Die einen lieben es, die anderen … eben nicht. Wir gehören zu denn ersteren – und da stehen wir dazu. Mit relativ wenigen Dingen, die man nicht braucht ging es gegen Nachmittag weiter entlang der Westküste gen Norden. Erklärtes Ziel: Göteborgs skärgård – der Göteborger Schärengarten.

Und da sind wir! Ich muss jetzt los mein Herz suchen, das ich letztes Jahr hier verloren habe.

Adjö, ihr hört wieder von uns, eure Wiebke und Rest der Einraumwohnungsgang

6. Juli – Standortwechsel mit Mammutstrecke

Nee, wat is‘ dat schön hier … Ehrlich, der Göteborger Schärengarten lässt uns noch nicht los, weshalb wir doch ziemlich lange an unserer Planung für das nächste Ziel feilen. Wir leihen uns einen schwedischen Stellplatzführer vom linken Nachbarn, wird erkundigen uns beim rechten Nachbarn, wir durchforsten das große weite Internetz.

Keine Entscheidung in Sicht – es ist so schön hier … Also erstmal baden und auf den Felsen ein Nickerchen machen. Irgendwie müssen wir aber auch mal weiter. Und so fällen wir bei gegrillten Gemüse und Steinpilzrisotto (hatte ich übrigens schon mal erwähnt, dass Knut ein fantastischer Koch ist und ich nie-nie-nie im Urlaub kochen muss?) eine Entscheidung: Auf nach Hälso – eine der nördlicheren Schäreninseln ganze 5 km weiter.

Damit bleiben wir unserem Motto “Der Treck muss weiter ziehen“ treu, aber verlassen auch noch nicht dieses schöne Fleckchen Schwedens.

Hier auf Hälso stehen wir nun, es ist 0.22 Uhr, bewölkt, der Wind frischt auf und (endlich) dunkel – letzteres zumindest die nächsten 3 Stunden. Mal sehen, wie der Himmel morgen früh aussieht: ob wir unsere Tagesplanung durchziehen oder ob unsere Pläne – wie so oft – zum Umwerfen da sind!

Morgen also mehr, aber vorher hab‘ ich noch was für euch – zur Besatzung gehört ja nicht nur ein toller Koch, sondern auch noch ein leidenschaftlicher Fotograf.

Wir gehen jetzt in die Koje, god natt, bis morgen – eure Einraumwohnungsbande

12. Juli – Von West nach Ost

Nachdem wir einen windstillen Geburtstagstag in Mariestad verbracht haben, pfiff uns die Brise am nächsten Morgen ganz schön um die Ohren. Zum Glück. Temperaturen um die 30 Grad sind für uns grenzwertig – da ist ein bisschen Wind eine willkommene Erfrischung. Nach einem kleinen Bummel durch Gamla Stan (dem alten Teil der Stadt), über den Marktplatz und einem Abstecher in den örtlichen ICA Supermarkt war dann auch schon alles erkundet, was das Städtchen zu bieten hat. Aber das stört uns ja nicht, wenn es nicht so viel zu tun gibt – wir können auch problemlos bummelig irgendwo herumsitzen. Das war am Yachthafen leicht möglich: Eis, Fisch, kühle Getränke und eine tolle Aussicht auf den Vänern – schön!

Zum ab Abschluss ein leckeres Menü unseres privaten Chefkochs – perfekt!

Ganz gemäß unserer Planung rollen wir am nächsten Mittag in Lyrestad auf den Stellplatz direkt am Götakanal. Erste Reihe mit Baum und Blick direkt auf den Kanal. Hängematte ‚raus, Sonne satt, vorbeischippernde Boote, hübsch angelegte Brückenanlage, schöne Fahrradstrecken und die beste Fika* seit langem in Daisys Place . Für diesen Stellplatz gibt es von uns den Daumen hoch: ein Einraumwohnungs-Topp-Tipp.

Doch nach einer Nacht heißt es aber auch in Lyrestad ‚Hej då‘ und los. Unser Plan: Västerås. Mal sehen, wo wir landen …

Stay tuned, in ein paar Tagen mehr oder täglich auf Instagram https://www.instagram.com/1raumwohnung/

Bis dann, eure Einraumwohnungsbande
Knut, Wiebke und das Mitfahrerkind

 

*Exkurs Fika: das ist nicht einfach nur “Kaffee trinken“, vielmehr liegt hier die Betonung auf “gemeinsam“. So ist eine Fika in Schweden fester Bestandteil eines jeden Tages. Man kommt zusammen und nimmt sich Zeit füreinander – Familie, Freunde oder Arbeitskollegen. Und dazu gehört unbedingt Kaffee und süßes oder herzhaftes Fikabröd – ob nun zuhause, am Arbeitsplatz, in einem Café oder als Picknick. Wir kommen jedenfalls nie an einer guten Fikamöglichkeit vorbei (genauso wenig wie an lösgoddies – aber dazu irgendwann mehr).

15. Juli – Hejsan och god morgon,

um mich herum schnarcht und schnurrt es noch ganz leise, die Sonnenstrahlen glitzern durch die Bäume und meine erste Tasse Kaffee ist noch nicht ganz leer.

Es wird wieder einer von den schwedischen Jahrhundertsommertagen. Und wir mittendrin.
Bevor wir gleich den normalen “Abfahrtstanz“ mit den Disziplinen aufräumen, saugen und alles-reisefest-machen starten, sollt ihr ja noch erfahren, ob wir unsere Pläne eingehalten oder mal wieder alles über den Haufen geschmissen haben.

Also springen wir zwei Tage zurück:
Nach unserem beschaulichen Stellplatz am Götakanal war der Plan, mal wieder eine etwas größere Stadt zu besuchen. Und da unsere grobe Richtung am besten mit “nach Norden an der Ostküste entlang“ beschrieben ist, lag die Stadt Västerås genau auf dem Weg. Da haben wir sie auch gelassen. Auf dem Weg.

Warum? Gerade wenn es sich um Stellplätze in unmittelbarer Nähe zu größeren Städten handelt, sind wir eigentlich entspannt: am Hafen (mögen wir ja eigentlich), um die 20 Fahrzeuge (finden wir auch nicht schlimm), fußläufig zum Stadtkern (topp) – aber hier: dreckig.
Überall lagen Dinge, die da nicht hingehören. Schade für Västerås, aber das mögen wir nicht.

Kurz überlegt und wieder ‚rauf auf den Bock zu einem sicheren Spot. Enköping – am Hafen, mit ein paar anderen Mobilen, sauber, schnuckelig und ungeheuer blumig. Neben einem hübschen Park ist auch ein kleiner Stadtkern mit Marktplatz, Wochenmarkt und Konditorei vorhanden. Fika gesichert  😉.
Wir Mädels haben Knut ein bisschen Ruhe gegönnt (damit er was schönes für uns kochen kann) und sind durch die Gegend gezogen. Der nächste Loppis* war zwar weit, aber dafür laufen wir Meilen …

Da wir ja nochmal herkommen um hier unser Nicht-Mitfahrerkind (der arme Kerl muss noch arbeiten) und unsere Freunde zu treffen, zieht es uns am nächsten Morgen auch schon weiter.
Wieder an einen Hafen, wieder an einen Ort, den wir gut kennen: Grisslehamn.

Der geneigte Leser unserer Schwedenberichte aus dem letzten Jahr wird sich erinnern – hier fiel unsere Tür aus dem Rahmen und wir standen plötzlich mit einem bodentiefen Fenster da (Nachzulesen auf unserm Blog, den Link findet ihr in den Kommentaren)!
Dieses Jahr konnten wir ohne unerwartete Gegebenheiten den samstäglichen Flohmarkt durchstöbern und auch noch die Fährfahrt nach Åland und zurück genießen – wie letztes Jahr gibt es einen Gutschein über eine kostenlose Fahrt für jeden Campingplatzbesucher. Bei strahlendem Sonnenschein und gebügeltem Wasserspiegel ein toller Ausflug.

Für mich ist jetzt die zweite Tasse Kaffee fällig, um mich herum ertönt ein sanftes “Och, ich würde auch eine nehmen“, was ein sicheres Zeichen dafür ist, dass ein geschäftiges Treiben hier in der Einraumwohnung nicht mehr lange auf sich warten lässt.

Ich sag‘ euch für heute ‚Hejdå‘,
demnächst mehr von unseren schwedischen Sommererlebnissen,

eure Wiebke

*Loppis
Schwedisch für Floh, umgangssprachlich aber die Bezeichnung für Flohmarkt und Second Hand Geschäfte aller Art. Sei es in einer alten Scheune am Straßenrand, der Backlukloppis aus dem Kofferraum, der Flohmarkt wie wir ihn kennen mit Ständen und Tischen. Diese Art von Gebrauchtwarenverkauf ist hier in Schweden sehr populärer und wohl noch spannender, da das Angebot an alten Dingen – wohl auch bedingt durch weniger Zerstörung im Krieg – sehr groß ist.

20. Juli – Gesucht – gefunden

Wir richten uns hier in Schweden ja immer nach der Sonne – da wo sie scheint, fahren wir hin. Dieses Jahr ist es verdammt einfach. Egal wo wir sind – die Sonne ist auch da. Sie ist überall. Also heißt die Devise: Ostküste Richtung Norden. Pflicht: Stellplatz am Wasser, damit wir Badenixen uns abkühlen können. Und bei konstanten Luftwerten zwischen 28°und 30°C und Wassertemperaturen um 22°C machen wir das ständig.

Auf unserer Suche nach kleinen feinen Plätzen sind wir mal wieder auf etwas gestoßen und haben heute einen Einraumwohnungs-Topp-Tipp für euch:
Stocka gästhamn, eine Perle am Bottnischen Meerbusen. Ein kleiner Stellplatz für bis zu 15 Camper (sowohl Wohnwagen als auch -mobile), sehr hübsche Sanitäranlagen, Ver- und Entsorgung, Brötchenservice und ein unglaublich nettes Team. Das alles in einer typisch schwedischen Umgebung. Wir bleiben!
Mal sehen, was uns heute noch so einfällt – Spaziergang, Fisch kaufen im Selbstbedienungsladen, Blues Konzert, Loppis … Die Möglichkeit sind nahezu unerschöpflich.

Wir erleben einen Jahrhundertsommer hier in Schweden – der heißeste seit 50 Jahren. Nicht so traumhaft ist die extreme Waldbrandgefahr im ganzen Land. Momentan sind wohl mehr als 80 große und kleinere Brände gemeldet. Eine Katastrophe für die Natur – bedenkt man, dass 70% Schwedens aus Wald bestehen. Rauchsäulen, die wir schon an der Westküste in weiter Entfernung gesehen haben, beunruhigen uns – auch wenn wir hier nicht direkt betroffen sind.
Uns bleibt bloß, sich an die Feuerverbote strikt zu halten, umsichtig zu sein und zu hoffen, dass es nicht schlimmer wird.

Nichts desto trotz noch was für’s Auge, Knut war nicht untätig – hier unsere Bildershow.

Seid gegrüßt, bis die Tage
euer Einraumwohnungscrew-Schreiberling
Wiebke

21. Juli – Es regnet!

Nicht nur ein leises Tröpfeln. Richtig dicke Tropfen. Warmer Sommerregen. Aber nur hier.
Ein Morgen zum Im-Bett-bleiben und noch einen kleinen Bericht zu schreiben. Denn wir wurden gestern zu unserer Annahme, dass hier eigentlich der Hund begraben liegt, eines besseren belehrt.

Nach einem Blick auf die Infotafel des Stellplatzes fielen mir gestern Morgen zwei Plakate ins Auge: eine Wegbeschreibung zum Fischladen im nächsten Ort (also die Straße runter, 500 m und dann links) und eine Ankündigung für ein Blueskonzert am Abend – in Stocka (die Straße runter in die andere Richtung, 2000m und dann links). Zack – gleich mal zwei Programmpunkte für den Tag. Nur baden und chillen geht ja auch nicht.

Zuerst mal zur Nachbarortinsel Rönnskär (ja, die heißt genauso wie die Badmöbelserie von IKEA). Eine klitzekleine entzückende Insel mit 40 Häusern, von jeder Ecke aus einem weiten Blick auf den nördlichen Ausläufer der Ostsee und einem Fischladen. Oh, sorry: Selbstbedienungsfischladen. Ein Kuriosum – man geht ‚rein, steht vor 4 Kühlschränken und sucht aus: graved Lachs, geräucherten Lachs, unterschiedlichen fangfrischen Fisch, Sill (sauer eingelegter Hering), Surströmming (nein, das muss man nicht essen!), und so weiter … Vakumiert mit Haltbarkeits-, Gewichts- und Preisangabe. Die Kasse befindet sich übrigens im Eierfach des letzten Kühlschranks samt Wechselgeld und ein riesiger Taschenrechner unterstützt im Zweifelsfall das Kopfrechnen verlässlich.
Wir haben natürlich eingekauft – Knut war somit vom Kochen befreit, denn typisch schwedisch gab es zu unserem graved Lax lediglich Pellkartoffeln und Salat. Und Pellkartoffeln kochen ist meine Spezialität!

Programmpunkt zwei – Blues Deluxe – in Stocka. Gleicher Ort, aber eben zwei Kilometer in die andere Richtung. Für einen Seemann ein Gewaltmarsch -wir haben es geschafft und es war extra-cool. Nach dem Motto “wenn du es findest, glaubst du, du bist falsch“: eine alte Halle im Industriegebiet, einige wenige Autos, eine Handvoll Menschen, die vor einem Eingang stehen. Es sah so gar nicht nach professionellem Konzertrubel aus – hier waren wir richtig! 10€ Eintritt, ein “Help yourself“ Selbstbedienungs-Getränkekühlschrank gegen Spende bei der netten Dame am Eingang in einem richtigen Musikschuppen: Sofas, Sessel, Kinoklappstühle positioniert um die kleine Bühne. 20 Zuschauer und 4 klasse Musiker: Blues Deluxe – der Name war Programm.
Nach 3 Stunden Musik von John Lee Hooker, Ann Peebles, Jimmy Rogers und vielen anderen haben wir uns auf dem Heimweg noch schnell von der ein oder anderen Mücke stechen lassen und sind bei Dämmerung ins Bett gefallen. Abenddämmerung wohlgemerkt.

Jetzt gibt’s Frühstück, wir warten geduldig den Regen ab und machen uns ein bisschen reisefertig – denn morgen zieht der Treck weiter!

Bis dahin,
hejdå,

eure Wiebke

23. Juli – Ahoi ihr Seh-Fahrer,

nach dem wir noch einen Tag Regen und etwas angenehmere Temperaturen genossen haben, verlassen wir Stocka und es geht langsam wieder in Richtung Süden. Wieder in die Sonne.

Ein Besuch bei lieben Freunden am Mälaren steht an und damit wir entspannt ankommen, machen wir vorher noch einen Zwischenstopp: Schloss Skokloster auf der Halbinsel Skohalvön inmitten des Mälarensees. Ich muss meinen Navigator und Steuermann an dieser Stelle mal ein großes Lob aussprechen – Knut hat mal wieder eins der besonderen schwedischen Fleckchen gefunden.

Die Schlossanlage ist unbedingt einen Besuch wert. Eine gepflegte barocke Gartenanlage mit einer über 300 Jahre alten Lindenallee, eine riesige Apfelbaumwiese, das schöne Schloss samt Café und Kirche direkt am Wasser. Getoppt von einem kleinen Bootsanleger mit Bademöglichkeit. Was sich die Architekten allerdings beim Bau der Tankstelle samt Getränkeverkauf gedacht haben … man weiß es nicht – verliert sie aber sofort aus den Augen, sobald man die Parkanlage betritt.
Wer Lust hat, sich auch im Inneren umzusehen, hat samstags und sonntags zwischen 11 und 16 Uhr die Möglichkeit dazu (Eintritt frei, besondere Ausstellungen und Führungen 80Skr, Kinder bis 19 Jahre frei). Die renovierten Räume sind originalgetreu eingerichtet, pompös imposant und spiegeln die schwedische Großmachtzeit des 17. Jahrhunderts wider. Besonders sind die Waffenkammer und Bibliothek, ebenso die Skulpturen und Malereien dieser Zeit (http://skoklostersslott.se/en Skoklosters Slotts Vänner)

Die Sonne kitzelt mich jetzt und es ist mal wieder erforderlich, meinen Kaffeepegel konstant zu halten. Getreu dem Motto: Der erste Liter Kaffee ist der wichtigste.

Habt einen schönen Montag,
eure Wiebke

28. Juli – Stockholm sehen und schwitzen

Es ist kurz nach fünf am Samstag Morgen, draußen und im Wohnmobil sind die Temperaturen erträglich und ich bin wach. Nicht ausgeschlafen, aber wach.
Also versuche ich ganz leise Kaffee zu kochen und die kühlen Stunden zu nutzen, euch von unserem Stockholm Kurztripp zu erzählen.

Vor vier Jahren waren wir das erste mal hier, die letzten drei Sommer in Schweden Stockholm-abstinent: irgendwie passte es nicht – entweder nicht in unsere Reiseroute oder andere Ereignisse hielten uns von einem Besuch ab (eine Tür zum Beispiel  😉).
Aber dieses Jahr wollten wir mal wieder hier her – in die Stadt der 14 Inseln. Ein bisschen wärmer als die mittlere Jahrestemperatur von 6,6 °C dürfte es schon sein. Aber 30° mehr? Das ist selbst uns zu viel.
So wurde aus 2 Tagen eben nur einer – halbes Programm und trotzdem toll!

Zu Fuß und immer schön im Schatten der vielen Bäume ging es gestern nach Södermalm, oder wie der Stockholmer sagt “Söder“. Ziel war SoFo, South of Folkungagatan, ein kleines alternatives Szeneviertel mit hübschen Gassen und Läden.
Nach ein bisschen Shopping und Stöbern, vor allem in den vielen Second Hand Lädchen ging es dann auch schon auf 12 Uhr zu.

Gefährlich wird es bei uns dreien ja immer gegen Mittag, wenn der kleine Hunger kommt. Wenn wir dann erst darüber nachdenken, wo wir was essen wollen – ist es meist schon zu spät: kurz vor Ehekrach fällt die Wahl in so einer Situation essenstechnisch dann auf das kleinste Übel und keiner ist zufrieden. Knut hatte diesmal vorgesorgt und schon am Tag vorher einen Geheimtipp herausgesucht: Nystekt Strömming*, eine Fischbude.
Rechtzeitig angesteuert und was soll ich sagen? Es war großartig! Gebratener Hering mit Kartoffelpüree, Gurkensalat und Knäckebrot. Im Stehen. Draussen. Günstig. Lecker.
Die Einraumwohnungscrew also wieder zahm.

Zeit für Gamla Stan. Welch‘ Menschenmassen sich durch die Gassen schieben ist erstaunlich. Man kann förmlich hören, welcher Nationalität die momentan im Hafen liegenden Kreuzfahrtschiffe sind – Franzosen, Italiener, Amerikaner. Und natürlich auch viele Schweden, Deutsche, Schweizer, Niederländer usw.

Verständlich, denn Gamla Stan ist das eigentliche Stockholm, entstanden bereits im 13. Jahrhundert. Inzwischen sind die ursprünglichen Geschäfte in den unteren Etagen diversen Souvenirshops und Restaurants gewichen, trotzdem haben die alten Gassen immer noch diesen “Wow-Effekt“ des unvorstellbaren Alters: seit 800 Jahren wohnen, leben und arbeiten hier Menschen. Für mich immer wieder beeindruckend.

Jedes mal, wenn wir aus dem Schatten der alten Gassen in die Sonne stapfen, ist es wie ein Keulenhieb: Hitze!
Wir treffen also eine Entscheidung. Ein Tag Großstadt muss genügen, einen weiteren schaffen wir nicht.

Mal wieder typisch für uns. Plan gemacht, Plan geändert. Alle zufrieden.

Mit vollen Taschen und Beuteln diverser Bekleidungsunternehmen (vorrangig derer, die es bei und nicht gibt) schleichen wir zurück nach Långholmen zu unserem Wohnmobil.
Ein bisschen Schwimmen wäre jetzt schon schön – zum Glück ist die Stadt von den Mälarenseen umgeben und fußläufig vom Stellplatz ist eine schöne Badestelle. Selbst 24° warmes Wasser kann eine Abkühlung sein!

Eigentlich dachte ich, dass wir jetzt völlig erledigt ins Bett fallen, aber Knut hat noch einen Plan.
Also ein bisschen Käse, Knäckebrot, Bier und Wein eingepackt und los zum Skinnarviksberget*. Oberhalb der Söder Mälarstrand Promenade erhebt sich ein Felsen, von dem aus man eine grandiose Aussicht auf eine der schönsten Städte Europas hat. Und bei so einem Wetter haben nicht nur wir die Idee, den Sonnenuntergang von hier aus zu beobachten. Ein tolles Spektakel.

Kurz vor halb elf schlendern wir Sonnenuntergangsgenießer im Gänsemarsch wieder abwärts, damit wir nicht mit den Blutmondbeobachtern zusammenstoßen, die in Scharen den Fels hinauf wandern.
Wir sind erledigt, es bleibt für den Abend nur noch der ISS und Alex Gerst zu winken, als sie wieder über uns hinweg fliegen.

Inzwischen ist es also fast acht Uhr am nächsten Morgen, natürlich dösen die beiden Crewmitglieder noch und ich hole mir den zweiten Kaffee, bevor wir nachher die Stadt wieder verlassen und uns ganz ganz langsam grob Richtung Westen bewegen.

Unser Stockholm-in-einem-Tag hat uns Spaß gemacht, wir haben längst nicht alles gesehen – wir kommen einfach wieder.

Einen schönen Samstag wünscht euch
Wiebke

* Unsere Topptipps für Stockholm
Nystekt Strömming – Strömmingsvagnen – Fischbude am Södermalms torg

Skinnarviksberget Aussichtspunkt auf Södermalm mit Blick auf Kungsholmen und Gamla Stan

Långholmens Husbilscamping “unser“ Stellplatz für Stockholmbesuche

31. Juli – 3. Versuch Öland

Beim ersten Mal Öland hat uns die Lichtmaschine unseres Hymers den Dienst versagt, letztes Jahr hat es aus Eimern gegossen … also haben wir es noch einmal versucht.
Und ja, Öland hat seinem Ruf als Sonneninsel diesmal alle Ehre gemacht. Wir haben zuerst den Weg in den Norden der Insel eingeschlagen – und wurden von einem langen Sandstrand empfangen: Mittelmeer-Feeling!

Aber auch sonst ist hier richtig was los – wer im Urlaub nicht nur im Meer baden möchte, kommt kulturell und landschaftlich voll auf seine Kosten. Und wer dann noch gerne Fahrrad fährt – hier seid ihr richtig:
eine recht flache Landschaft, von Steppe über Wald zu Feuchtgebieten mit einer außergewöhnlichen Pflanzenwelt und vielen historischen Sehenswürdigkeiten (diverse Burgruinen, ca. 400 Windmühlen, Runensteine, Hügelgräber, Schiffssetzungen, usw.). Selbst Silvia, Gustaf, Victoria und Co. verbringen die Sommermonate hier in Schloss Solliden – so schön ist Öland!
Ach ja, und dann haben wir noch das Fundstück des Tages: der legendäre Kabe Doppelstock-Wohnwagen. Es gibt ihn wirklich!

Ich würde behaupten, ein idealer Ort, um allein oder mit der ganzen Familie Urlaub zu machen. Euch wird nicht langweilig. Die Kehrseite ist natürlich, dass ganz viele Menschen ihren Urlaub hier verbringen möchten. Ein Grund, warum Öland komplett touristisch erschlossen ist.

Wir verlassen aber unseren Traumspot am Strand und damit auch Öland und tüddeln wieder Richtung Kalmar. Denn unser Mitfahrerkind hat den Wunsch geäußert, in ein sehr schnuckeliges Café einzukehren – ihr Wunsch sei uns Befehl … Kaffee und Zimtschnecke geht ja immer!

Dazu lest ihr natürlich die Tage mehr,
bis dahin,

eure Wiebke

4. August – Die Zeit rast – waren wir nicht gerade noch auf Öland?

Jetzt sind wir sind da, wo unser Schwedensommer angefangen hat: der Göteborger Schärengarten.

Ich glaube, es ist Zeit für ein Update.

Nach ein paar wunderschönen Tagen am Traumstrand in Ölands Norden wollten wir unbedingt noch einmal dieses entzückend urige Café in Kalmars Fußgängerzone besuchen. Eine ehemalige Wohnung in einem typischen schwedischen Stadthaus. Nicht nur das Café ist sehenswert, auch das Smörgås-, Kuchen- und Getränkeangebot ist erstklassig -definitiv ein neuer Einraumwohnungs-Topp-Tipp: Kullzénska caféet in Kalmar.

Noch ein paar Schlenderschritte und unser Bedarf an Kaffee, Shopping und heißem Pflaster war gedeckt.

Nächstes Ziel Waschmaschine. Da wäre aber noch die Frage der Richtung … jetzt aber wirklich Westen – weil das Ende unserer Reise und damit die Endstation Varberg in greifbare Nähe rückt.

Also Waschmaschine in Richtung Westen gesucht und gefunden. Auf einem kleinen Campingplatz an irgend einem kleinen See. Wenn ich das mal so sagen darf: so unspektakulär, dass ich jetzt nichts weiter dazu erzählen kann.
Somit haben wir am nächsten Morgen mit sauberer Wäsche und leeren und wieder gefüllten Tanks den Zossen gesattelt und …

… wo wollen wir denn jetzt hin? Da wo es schön ist, in die Richtung, wo wir sowieso hin müssen, wo man baden kann, ans Meer, wo man … wir wollen auf die Göteborger Schären! Und da sind wir jetzt. Und hier bleiben wir, bis wir tatsächlich auf die Fähre fahren müssen.

Besonders war gestern dann natürlich der Mitfahrerkind-Geburtstag.
Sonnenschein, Prinsesstårta, Inselhopping nach Hyppeln*, Geschenke, die ein oder andere Überraschung und als Abschluss ein Geburtstags-Menü unseres hauseigenen ‚Bocuse‘ – aka Knut. Carpaccio an New Yorker Sauce mit Tomaten-Crostinis, niedrig-Temperatur Lachs an Basmati-Reis mit geschäumter Zitronen-Dill-Meerrettich Sauce und dazu Salate der Saison. Nachtisch gab’s auch, sehr lecker im Glas: Baileys auf Eis.

Gut gesättigt und müde vom Tag war der Abend nicht lang. Nichtstun macht müde!

Und ganz am Schluss heute noch ein kleiner Gastbeitrag von unserer neuen Co-Autorin und unserem Mitfahrerkind Rike:
“ 🎂  🎈 Vielen Dank für die vielen Geburstagswünsche – ich hab‘ mich sehr gefreut! 🎈  🎂 Viele Grüße, eure Rike 🙋“

Ich schließe mich an und wünsche euch ein sonniges Wochenende,
bis demnächst,

eure Wiebke

*Der Göteborger Schärengarten wird in den nördlichen und südlichen Schärengarten unterteilt. Uns zieht es immer wieder in den nördlichen Teil. Hier findet man u.a. die Inseln Björkö, Öckerö, Hälsö, Fotö, Grötö, Källö-Knippla, Rörö, Halleskär, Hyppeln, Buro, Kalvsund, Vipeskär u.a.

6. August – Zurück nach Hause – ein Blick in unsere Proviantkiste

Naja, es geht nicht auf direktem Weg zurück, aber das Betreten der Fähre ist ein Abschied auf Zeit.

Ein bisschen Schweden nehmen wir uns aber immer mit nach Hause. Deshalb haben wir in letzter Zeit auch öfter mal unseren Einkaufswagen fotografiert … Ich glaube, die Schweden haben uns für ziemlich bekloppt gehalten – Recht haben sie!

Aber ihr sollt ja auch mal sehen, was wir immer so einkaufen.

Ganz wichtig und immer als erstes im ersten Einkaufswagen: Bilar (Schaumgummiautos) und Kex (Schokowaffeln) – für uns der Inbegriff schwedischer Süßigkeiten – abgesehen von Lösgoddis.

  • Was dann noch im Wagen für den täglichen Ge-und Verbrauch landet sind
  • natürlich Milch und diverse Milchprodukte (die Schweden lieben Milch zu jeder Tages- und Nachtzeit – Knut liebt ihren Kvarg)
  • Knäckebröd – wir mögen sehr gerne Leksands Knäcke (die Auswahl an Knäckebröd ist gigantisch),
  • Ramlösa Sprudelwasser – gerne mit Zitronengeschmack,
  • Zitronenmayonaise (ja, schmeckt super!),
  • Räkost (so, macht euch auf was gefasst: Tubenkäse mit Flusskrebsfleisch – schmeckt super auf Knäckebröd),
  • Ost, also Käse, gerne etwas herzhafter, aber irgendwie anders als Gouda oder Edamer
  • unser geliebter Gevalia Kök – Kaffee, der extra grob gemahlen ist uns somit perfekt für unseren Stanley Pekolator-Morgen-Kaffee (ist lebenswichtig, deshalb haben wir uns auch eingedeckt),
  • Ballerina Kekse – Mürbeteigkekse in tausend Geschmacksrichtingen mit Schoko- oder Fruchtkern,
  • Karnelbullar (Zimtschnecken – und jedes Frühstück ist gerettet)
  • Kalles Kaviar (eine Creme mit einer Art Kaviar, lecker zu Ei und Brot, allerdings durch den doch durchdringenden Fischgeschmack nicht jedermanns Sache)
  • Sill – eingelegter Hering, ähnlich wie Bismark- oder Heringshappen, nur irgendwie feiner abgeschmeckt, also leckerer …

… und was man sonst noch so braucht wie leckere schwedische Kartoffeln (auch so’n typisch schwedisches Ding – es gibt immer Kartoffeln zu allem), Obst und Gemüse, mal ein Lättöl (Leichtbier für den Herrn), Päroncider (Birnencider – schmeckt aber gänzlich anders als französischer Cidre oder englischer Cider), Küchenkrepp, Müsli, Marabou Schokolade, usw.

Eine lustige Sache, die mir in Bezug auf Getränke immer einfällt, ist der (in der deutschen Übersetzung betitelte) Limonadenbaum in Pippi Långstrumps Garten. Hier ist tatsächlich aber nicht die Limo, wie wir sie kennen gemeint, sondern Sockerdricka (Zuckergetränk) – sprudeliges Zuckerwasser, teilweise mit Aromen versetzt. Schmeckt wie … Zuckerwasser halt. So heute in jedem noch so kleinen Supermarkt oder Kiosk zu finden.

Ach ja, dann wollte ich euch noch erzählen, was es mit den Lösgodis (wörtlich übersetzt: lose Bonbons) auf sich hat. Hemmakväll ist zum Beispiel so ein Godis-Tempel: an die 100 Sorten Fruchtgummi- und Schokoteilchen, die je nach Gusto in Tüten selbstständig eingefüllt und an der Kasse nach Gewicht bezahlt werden. Ein Traum – nicht nur für das Mitfahrerkind: Knut ist immer der erste in so einem Laden!

Was muss man sonst noch so in Schweden probieren?
Ich finde immer: man muss nicht, aber man kann sich hier auf fast alles einlassen. Die schwedische Küche ist abwechslungsreich, es mangelt nicht an frischen Zutaten: Fisch, Fleisch, Gemüse – es ist alles immer vertreten. Besonders gerne nimmt man Dill zum Kochen, und Kartoffeln sind auch oft dabei.

Jedoch graut es mir immer, wenn ich in verschiedenen Foren lese, man “müsste unbedingt“ Surströmming probieren. NEIN, das muss man nicht. Man muss das auch niemanden als Gag oder Urlaubsmitbringsel mitnehmen. Es gibt durchaus Menschen, die gegorenen Fisch mögen, aber aus vielen Gesprächen mit vielen Schweden weiß ich, das es nicht viele sind.
Es gibt so viele leckere schwedische Gerichte, dass man geräucherte Räkör (Garnelen), frischen Lachs oder gebratenen Hering den gegorenen, in Dosen verpackten Fisch locker vorziehen kann.

Als Tipp von uns: probiert regionale Sachen, Fisch an der Küste, Elchfleisch vielleicht eher im Norden, Smörgas (egal wo) oder orientiert euch an vollen Restaurants vor allem zur Mittagszeit – auch in Schweden ein untrügliches Zeichen für gutes Essen. Ein Dagens Lunch (bei uns auch Mittagstisch genannt) bekommt man schon für um die 10 € inklusive Getränk und Kaffee.

So und nun zur immer wieder gestellten Frage: ist in Schweden alles teurer? Ich kann an dieser Stelle lediglich auf unsere persönlichen Erfahrungen zurückgreifen –
Grundnahrungsmittel sind gefühlt genauso teuer wie in Deutschland: Nudeln kosten das gleiche, Knäckebrot z.B. finde ich viel günstiger, Brot etwas teurer (und immer süß). Bei Obst und Gemüse ist immer darauf zu achten, dass in Supermärkten der Kilopreis angeben ist – wir haben jahrelang keine Gurken gekauft!
Und nicht zu vergessen Kaffee – definitiv günstiger und eine unerschöpfliche Auswahl.
Was wirklich teurer ist – und das ist wohl nichts neues – ist Alkohol in jeder Form.

Macht man sich auf die Suche nach Drogeriemärkten, wird man nicht fündig. Hygiene- und Kosmetikartikel sind definitiv Dinge, die in Schweden (und wohl ganz Skandinavien) meist nur in Apotheken, Pafümerien und Gesundheitsläden zu finden und im Vergleich zu Deutschland wesentlich teurer sind. Natürlich abgesehen von Seife, Dusche, Zahnpasta und Co. – das gibt’s natürlich auch im Supermarkt. Aber eben nicht in dem Preissegment, wie wir es kennen.

So, das war ein tiefer Blick in unsere Proviant- und Vorratskiste – einen Großteil haben wir schon wieder aufgegessen, einen kleinen Teil nehmen wir mit nach Hause …
… damit das Fernweh nicht zu schlimm wird!

 

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