Südfrankreich 2019

4. April – T-3 Stunden!

Dann geht es los. An den drei Geschwindkeitsschildern am Heck sieht man schon, wo wir heute hin wollen.

Nachdem wir eigentlich in die Bretagne angepeilt hatten, hat uns ein Post von Frankreich-Mobil-Erleben.de diese Planung über Bord werfen lassen: Es schneit an den nordwestlichen Küste von Frankreich!

Also flux (wie das häufig unsere Art ist), das Ruder umgelegt und nun peilen wir die Provence an. Kurze Hosen haben wir vorsichtshalber eingepackt.

Und … ab heute gehen natürlich wieder unsere Reiseberichte los. Wiebke schreibt und ich steuer‘ ein paar Bilder bei.

Vor der Reise noch eben schnell unseren neuen mobilen Tisch geölt. Womit? Mit BALLISTOL Öl. Das war Wiebkes Idee. Ich glaub, sie mag einfach nur den Geruch so gerne.

Habt ihr schon mal Holz mit Ballistol geölt?
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.

6. April – Liberté – Freiheit

Klar, leben wir in einer Gesellschaft, in der jeder seine persönliche Freiheit (in gewissen Grenzen) ausleben darf und kann. Zum Glück.

Ich für mich habe gestern einen neuen Aspekt von Freiheit entdeckt: nach wochenlangen Reiseplanungen für die Bretagne einfach ins Wohnmobil einsteigen, 1300 km geradeaus fahren und in Südfrankreich ankommen.

Südfrankreich. Mittelmeer. Sonne. Warm.
Für mich endlich mal wieder, hier habe ich viele Sommer verbracht: mit Eltern und Wohnwagen, mit Bulli und Freunden. Für Knut ist es das erste Mal. Es gibt also viel zu entdecken und wieder zu sehen.

Aber auch noch ein “Erstes Mal“ für uns beide: nur die halbe WG ist unterwegs – wir haben die Mitfahrerkinder einfach zuhause gelassen. Naja, ehrlich gesagt haben sie uns alleine losgeschickt – sie wollten tatsächlich nicht mit. Ich würde sagen eine klassische Win-Win-Situation 😉

Nach 12 Stunden Fahrt durch Deutschland, Luxembourg (Halleluja – Diesel für 1,08€) und Frankreich (wo wir die Dieselersparnis gleich komplett in Maut investiert haben) sind wir in Grane auf der Domaine Distaise untergekommen. Ein Stellplatz-Traum: nach Osten sind die Alpen zu sehen, nach Westen schließen sich die Monts Ardèche an. Dazwischen wir – die Einraumwohnung inmitten blühenden Pfirsichbäumen, herrlich grünen Zypressen und Sonnenschein von oben. Und nicht zu vergessen am Ende des Tages ein opulentes Mal vom Reisesmut Knut. 
Einen kurzen Einkaufsstopp hatten wir gestern zwischendurch noch eingelegt, was uns eine tolle Sightseeingtour mitten durch Lyon bescherte – feinster Feierabendverkehr bei strahlendem Sonnenschein mit irre autofahrenden Franzosen und einer herrlichen Aussicht auf den Port de Lyon und die Rhône. Unbezahlbar!

Inzwischen ist es Samstag morgen, kurz nach acht. Ihr wisst, was wir jetzt machen: Genau, erstmal Kaffee trinken. Und dann entscheiden wir, ob wir Richtung Languedoc und Roussillion oder Provence und Côte d’Azur tingeln … seid gespannt – wir sind es auch!

9. April – Ein Tag am Meer – le grand bleu

Psst, nicht weiter sagen – aber ich wollte gar nicht hier her. Viel zu groß, zu laut, viel Verkehr, viele Menschen. 
Aber wenn mein Lieblingsmitfahrer so gerne nach Marseille, in die zweitgrößte Stadt Frankreichs möchte, komme ich natürlich mit.

Und es war die richtige Entscheidung. 
Marseille ist schön:
Schön alt. 
Schön laut. 
Schön freundlich.

Wer es quirlig mag, darf einen der vielen Wochenmärkte und das afrikanische Viertel rund um die Metro-Station Notre Dame du Mont nicht verpassen. 
Dann immer der Nase nach runter zum Vieux Port – das Meer kann man auch hier riechen und sehen: Fisch wird hier jeden Morgen fangfrisch verkauft, und es riecht herrlich (und das meine ich ernst – ich mag den Geruch von frischem Meerwasserfisch). Auch die Vielfalt ist toll: Hummer, Muränen, Seeschaben, Doraden, Petersfische, ein riesiger Thunfisch und vieles mehr zieren die Auslagen.

Und zum Ausruhen ist dann noch ein Stückchen weiter gen Meer das Fort Saint-Jean mit dem anschließendem MuCem ein echter Geheimtipp. Eine toll angelegte und gepflegte Anlage mit fantastischem Ausblick, vielen schnuckeligen Ecken, die mit Bänken und Sonnenliegen zum Verweilen einladen. Und wenn dann noch die Sonne scheint, will man hier bleiben.
Es lohnt sich dennoch, die Runde durch die Altstadt mit seinen imposanten und verwinkelten Straßen, den alten Gebäuden und Sehenswürdigkeiten fortzusetzen. Zur Not findet sich an jeder zweiten Ecke ein Tabac oder ein Café, um kurz die Füße zu entlasten und den Hals zu befeuchten.

Egal welche Runde durch Marseille man wählt, es gibt vieles zu entdecken und irgendwann kommt man immer wieder am Vieux Port an.

Dafür, dass ich nicht hier her wollte, war es schon ganz schön schön …

Jetzt kommt noch das ABER, weshalb es ein paar Abzüge in der B-Note gibt: 
Wir kommen mit unserer 7,49 t Mühle legal weder zum noch vom Stellplatz. Gefühlt ALLE Straßen haben eine 3,5 t Begrenzung. Und wenn keine Gewichtsbegrenzung da ist, gibt’s eine Höhenbegrenzung von 3 m. Ergebnis: wir haben ewig gebraucht, viele Kilometer verfahren und waren fix und alle.

Ich hab‘ jetzt schon Schweiß auf der Stirn – wir müssen hier ja auch wieder weg!
Aber egal, dann muss man sich halt mal über ein Verbot hinweg setzten – obwohl ich das ungerne tue und wahrscheinlich eine Nacht wegen schlechtem Gewissen nicht schlafen kann.

Dafür sind wir mit ’nem MAN mitten durch Marseille gefahren … Abenteuer!

Natürlich kommen jetzt noch die tollen Smut-Knut-Bilder – ohne die wäre meine Aneinanderreihung von Worten ja nur das halbe Vergnügen.

11. April – Die Stadt der Marien

Die Frösche quaken, das Meer rauscht. 
Der Kaffee ist gerade fertig und wir können der Sonne beim Aufgehen direkt aus unserem Bett zusehen. Ein perfekter Start in den Tag. 
Zu allem Überfluss hat mein Smut-Knut auch noch einen Rosinenstuten im Omnia – besser geht es ja gar nicht mehr …

Wir stehen mit unserem Haus auf Rädern sehr schön etwas außerhalb des quirligen kleinen Wallfahrtsorts Saintes-Maries-de-la-Mer, mitten in der Camargue. Momentan ist der Ort gut von französischen Schulklassen und eher weniger von Touristen besucht – was aber im Sommer und zu den zwei Wallfahrten im Jahr sicherlich ganz anders ist.

Bei einer leichten Brise und ganz viel Sonnenschein haben wir gestern die Fahrräder doch stehen gelassen und sind zu Fuß am Strand entlang nach Saintes-Maries gelaufen.

Ursprünglich ein kleiner Fischerort leben hier inzwischen alle Einwohner vom Tourismus, den zum einen die Wallfahrten der heiligen Marien Kleophae und Salome und der schwarzen Sara und zum anderen die wunderbare Lage inmitten des Naturschutzgebietes Camargue mit sich bringt.

Einen Besuch wert ist hier auf jeden Fall die Wehrkirche mit den Heiligenreliquien und der Sara Statue in der Krypta. Eine spannende Kombination, die aber die enge religiöse Verbindung dieses Ortes mit den Gitanes (französische, spanischstämmige Roma) gut erklärt. 
Wie kann es da auch anders sein, als dass zu den bekannten Söhnen und Töchtern der Stadt die Gipsy Kings gehören?

Nach unserem kleinen Bummel durch die engen Gassen rund um die Kirche mit einer Vielzahl an Brasserien, Devotionalien- und Souvenierläden durfte ein Abstecher zum örtlichen Gemischtwarenladen und in die Boulangerie nicht fehlen. 
Bepackt mit Baguette, frischem Obst, einer Flasche Wein und vielen anderen Dingen ging’s zurück – für Knut direkt in die Küche!
Und was dabei heraus kommt, wenn Knut nach dem neuen Tiny Kitchen Kochbuch (was ja ab dem 25. April zu haben ist) den Löffel schwingt, seht ihr auf den Bildern.

In Worten: es war köstlich!
Ich bin jedenfalls noch immer satt – ach, der Stuten ist fertig … geht doch schon wieder!

13. April – Die, deren Namen man sich nicht merken kann: Aigues-Mortes

Wir rollen weiter. Noch einmal durch die Schwemmlandschaft. der Camargue. Denn die Flamingos, Pferde und Stiere (die nicht vor die Kamera wollten) wollen wir nicht verpassen.

Uns zieht es dennoch irgendwie weiter in den Süd-Westen Frankreichs. Und so landen wir in Aigues-Mortes – ich weiß nicht, wie oft ich diesen Namen in der Karte nachgesehen habe, um ihn richtig zu schreiben und auszusprechen …

Vergessen werde ich diesen schönen Ort aber nicht, auch wenn der Namensursprung Ayga Mortas – totes Wasser – erstmal nichts gutes verheißt.

Im 13. Jahrhundert begann Ludwig IX. diese heute noch vollständig erhaltene, in einer Bastide angelegte Stadt zu erbauen. Bis dato besaß er nämlich kein Land in Südfrankreich – und das wollte er ändern. Also flux einen Flecken in der Camargue erworben und mit der Arbeitskraft und den Steuern der Untertanen eine Bastide aus dem Boden gestampft. 
Naja, eher in den Boden: Das Schwemmland der Camargue lässt kein einfaches Fundament zu. Das der Stadtmauer ruht auf Holzplatten und Eichenpfählen, die bis auf festen Grund in den Boden gerammt wurden. 
Spätere Regenten rüsteten unter anderem einen umlaufenden Wehrgang, ein Festungsviereck und 10, regelmäßig in der Stadtmauer verteilte Stadttore nach. Für oder gegen wen – das haben wie leider nicht herausbekommen …

Ein imposantes Bauwerk: eine Stadt angelegt im rechten Winkel, umgeben von 1634 m Stadtmauer, erbaut auf Holzpfählen, uralt.
Strahlender Sonnenschein.
Begeisterung.

Und weil die Stadt und ihre Mauer in der Dunkelheit so schön beleuchtet sind, ist Knut zur blauen Stunde noch einmal mit seiner Knipskiste losgezogen, um ein paar schöne Eindrücke einzufangen. 
Ich habe lazy aus dem Fenster der Einraumwohnung geguckt – denn der Stellplatz liegt direkt am Fuße der Bastide. 
Aussicht: fabelhaft.

Nach so viel Kultur steht nun wieder ein Strandtag an. Unsere daheim gebliebenen Mitfahrerkinder geben ja ab und zu die Lage durch, momentan müssen sie Eis kratzen und Schnee schippen – und haben unser vollstes Mitleid! 
Wir vergraben heute noch mal unsere Füße im Sand und schauen, was als nächstes so passiert …

17. April – Wolken, Wind und eine Grundsatzentscheidung

Hier am Étang de Thau wird es uns zu ungemütlich – der Wind nimmt zu und schickt uns dicke Wolken, die sich vor die Sonne schieben. 
Den geplanten Fahrradausflug nach Sète verschieben wir also auf das nächste Mal, denn auch Knuts Rücken ist noch nicht wieder ganz hergestellt.

Stellt sich also die Frage “Wohin“ als nächstes? Schön wäre es, noch ein bisschen weiter die Küste entlang Richtung Süden, aber wettertechnisch wird es nicht besser – und zusätzlich immer voller: Ostern ist in Frankreich der Startschuss für alle Camper und die Plätze übervoll. 
Außerdem müssen wir ja auch irgendwann wieder zu Hause sein und dann drei Tage durch zu fahren für schlappe 1500 km … nö.

Also führt uns der Weg peu à peu zurück. Im wahrsten Sinne des Wortes: noch einmal Carro – unser erster Platz am Meer. Weil es hier so schön ist, weil es hier täglich frischen Fisch gibt, weil wir hier wirklich gerne sind.

Aber nach zwei Tragen kribbelt es uns auch hier wieder in den Fingern und wir wollen weiter. Also schnell noch ein paar frische Doraden auf dem Marché aux Poissons gekauft und den MAN angeschmissen.

Wir fahren nach Avignon. 
Adieu Mittelmeer und hallo Binnenland.

Ein toller Stellplatz empfängt uns direkt an der Rhône und nach einer wirklich kurzen Fahrradtour sind wir ganz schnell mitten im Centre Ville der Stadt der Päbste. 
Mittelalterliche Häuser dicht an dicht, schmale Gassen und plötzlich weite Plätze. Wir lassen uns bei ein paar Tropfen flüssigem Sonnenschein entlang der Stadtmauer durch die Straßen treiben, bis wir plötzlich vor dem Palais des Papes, dem gotischen Papstpalast stehen.

Wir sind beeindruckt. Sowohl von den Gebäuden als auch von den Menschenmassen, die in mäandrierenden Schlangen von mehreren hundert Metern Länge anstehen, um in die Palastgebäude zu gelangen.

Also lassen wir das ganze nur von außen auf uns wirken, knabbern an einem köstlichen Anis-Keks, den ich kurz zuvor in einer dieser entzückenden Pâtisserien erstanden habe und machen uns dann langsam auf den Weg zurück.

Trotz Keks knurrt der Magen und im Kühlschrank warten die Doraden und eine Flasche Rosé aus der Camargue. 
Tatsächlich erhaschen wir auf dem Stellplatz noch ein paar Sonnenstrahlen, kochen und sitzen gemütlich draußen bis es dunkel wird.

Es muss nicht immer Meer sein.

21. April – Au revoir, au plaisir

Wir brechen heute auf – nach Hause. Unser wunderbarer Urlaub geht zu Ende. 
Die Nicht-Mitfahrerkinder freuen sich auf uns, wir freuen uns auf Zuhause (und natürlich auf die Nicht-Mitfahrerkinder 😉)

Aber:
wir würden auch gerne noch ein wenig bleiben. 
Irgendwo am Meer, mit Sonne und Strand.
Oder in einer dieser kleinen Städtchen, mit gemütlicher Geschäftigkeit und altem Charme.
Oder beides.

Unser letzter Frankreich-Stopp hat uns nach Beaune geführt. Die Hauptstadt der Bourgogne, eine tolle Weinanbauregion, landschaftlich abwechslungsreich und mit einem milden Klima.

Beaune selbst ist eine hübsche Stadt aus den 11. Jahrhundert. Die circa 700 Jahre alte Stadtmauer dient heute weniger der Verteidigung als der Weinlagerung. Und im ehemaligen Hospital Hôtel-Dieu werden auch keine Kranken mehr behandelt, sondern Weinauktionen abgehalten.

Aber auch sonst bietet Beaune eine Menge zu sehen und entdecken. Eine beeindruckende Altstadt, Sehenswürdigkeiten, Weinproben und Museen lassen den Besuch hier nicht langweilig werden.

Wir könnten es uns wegen des unablässigen Sonnenscheins allerdings nicht verkneifen, den ganzen Tag nur durch die Straßen und über das Marktgeschehen zu streunen, um den Flair der Stadt gänzlich aufzusaugen.

Und kaufen wollten wir eigentlich auch nichts – trotzdem haben sich irgendwie köstlich duftende Zitronen und ein knuspriges Baguette in meine Tasche geschmuggelt. Es war echt schwer, dem Markt zu widerstehen.

Wieder in der Einraumwohnung war dann auch schnell klar, wozu wir unbedingt eine Zitrone brauchen. Knut hat mal wieder unsere Außenkochstelle angeworfen, um aus dem restlichen Provence-Reis und diversen Zutaten eine köstliche Paella zu kochen. Und da Paella ohne Zitrone nicht schmeckt, waren wir mächtig froh, solch‘ schöne Exemplare zu haben.

Mit einem kalten Bourgogne Aligoté haben wir dann satt und bequem der Sonne beim Untergehen zugesehen.

Was haben wir für ein Glück.

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