Selbstbau Anleitung Trockentrenntoilette

Die jetzt auch? Eine Trenn-Toilette im WoMo …

Ja, wir nun auch!

Es ist ja schon etwas verwunderlich: Da können wir 300 Liter Wasser bunkern, haben 100 Liter Gas zum Heizen, Kochen und Kühlen und müssen trotzdem nach Möglichkeiten der Entsorgung Ausschau halten!

Trocken-Trenn-Toilette

Was bisher geschah:
Unsere  prinzipiell hervorragende Kassettentoilette von Dometic tut ihre Dienste. Optisch ansprechend und durch eine Keramikbeschichtung funktionell. Die verbaute SOG-Anlage mit Bodenauslass sorgte für ein gutes Klima im Bad.

Wenn wir mal nicht entsorgen können, behelfen wir uns mit zwei außen liegenden Kanistern, in die wir mit Hilfe eines Trichters umfüllen können. Das klingt merkwürdig und wenig praktikabel, geht aber im Bedarfsfall ohne großes Aufsehen relativ schnell und einfach.

Doch was uns schon immer sehr stört:
Das meiste in der Kassette ist doch eher Wasser als Hinterlassenschaften. Mit 4 Personen ist der Tank nach 24 Stunden voll, wenn es keine andere Toiletten-Möglichkeit gibt. Und bei uns kommt auch nur Flüssiges ‚rein. Über kurz oder lang muss also ein herkömmliches WC angesteuert werden. Noch eine Tatsache, die uns in unserer „Einfach-irgendwo-stehen-bleiben“ – Reiselust beschränkt.

Wir wollen ein anderes Klo!
Eine andere Toilettenlösung war also eigentlich schon von Anfang an irgendwo in unserem Hinterkopf  – doch in der Bauphase einfach zu teuer (die einzige Alternative war für uns damals „Cinderella“ die Verbrennertoilette).

Und dann kamen die Trockentrenntoiletten in der Camper- und Reisemobilszene in Mode. ‚Abwarten‘ haben wir erst mal gedacht, mal sehen wie die Erfahrungen der anderen sind. Also Erfahrungsberichte lesen – und da gibt es nicht wenige! Unisonso hieß es: Effektiv, effizient, riecht nicht.

Was brauchten wir also mehr, als diese Fakten? Zeit, um uns mit der „Plumpsklo im Wohnmobil“ Idee anzufreunden – es klingt ja schon ein wenig merkwürdig, seine Stoffwechsel-Endprodukte über einen gewissen Zeitraum in einem Eimer mit sich herumzukutschieren!

Doch irgendwann waren wir von dieser Toilettenlösung überzeugt – sogar bei den Mitfahrern stößt unser neues Klo inzwischen auf Zustimmung!

Was ist nun eine Trockentrenntoilette?

Wikipedia erklärt das ganz schön:

Komposttoilette mit Urintrennung: Bei der Trockentrenntoilette (TTC) wird die natürliche Trennung menschlicher Ausscheidungen konsequent beibehalten, indem Urin und Exkremente getrennt aufgefangen werden. Hierbei wird der Urin entweder in die Kanalisation abgeleitet oder in einem Behälter aufgefangen und z. B. als Dünger im Garten eingesetzt. Die festen Exkremente und das Toilettenpapier werden unter Beimengung groben, zellulosehaltigen Materials (Rindenschrot, Hobelspäne, Stroh) in einem Behälter aufgefangen, der sich unter dem TTC befindet. Eine spezielle Hygieneklappe sorgt für einen Verschluss des Behälters. Die Feststoffe lassen sich dann kompostieren. Dadurch kann Trinkwasser eingespart und Kläranlagen und Deponien entlastet werden, da der Klärschlamm aus Kläranlagen oft aufgrund enthaltener Schadstoffe als Sondermüll auf Deponien entsorgt werden muss. [Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Komposttoilette]

Oft werden noch Ventilatoren für den Feuchtigkeits- und Geruchsentzug der festen Stoffwechsel-Endprodukte verbaut.

So die Theorie.

Und wer hat’s erfunden?

… nein , nicht die Schweizer. Toiletten im weiteren Sinne gab es tatsächlich bereits in der Antike, in alten Burgen findet man heute noch Überreste von Abortkerkern (den Vorgägngern des Donnerbalkens), in alten Bäuernhäusern gelegentlich ein Plumpsklo im ersten Stock – von da aus ging’s direkt auf den Misthaufen!

1860 meldete dann ein englischer Pfarrer das Patent für eine Trockentoilette an und gründete auch gleich eine Firma für Herstellung und Vertrieb derselbigen – in Zeiten der wirtschaftlichen Hochkonjunktur und steigender Lebensqualität in Großbritannien sicherlich eine gute Idee.

Die Trenntoilette schaffte es derzeit auch bis nach Deutschland. Bis ins 20. Jahrhundert waren Trenntoiletten gang und gäbe: Urin wurde getrennt vom „Feststoff“ (der auf dem Misthaufen landete) über Lehmwände geleitet, das Wasser aus dem Urin verdunstete und Salpetersäure kristallisierte aus. In Zeiten, in denen Salpeter noch nicht labortechnisch hergestellt werden konnte eine Marktlücke!

Die Erfindung des Wasserklosetts fiel in etwa in die gleiche Zeit, wie die Entdeckung des billigen Chilesalpeters und der künstlichen Herstellung, die Salpetergewinnung über Lehmwände wurde uninteressant. Hinzu kam auch hier wieder ein wirtschaftlicher Aufschwung – man gönnte sich etwas neues, ein WC – die TT verschwanden.

Aber wer hat’s nun so richtig „erfunden“, die TTT?

Das ist die Geschichte, die mir am besten gefällt:  – die technologische Neuerung des Luftklosetts geht scheinbar auf die Schweden zurück. Eine Toilette, die über ein Abluftrohr nach Außen verbunden wurde und bei dem eine Scheidewand in der „Schüssel“ dafür sorgte, dass „festes“ und „flüssiges“ getrennt aufgefangen wurden: Voilá – die Trockentrenntoilette!

By the way: in Schweden findet man sehr häufig noch Plumpsklos und noch häufiger (Trocken-) Trenn- oder Komposttoiletten. Für Schweden scheinbar Romatik pur: kein Rauschen, keine Technik, Ruhe … oder vielleicht auch durch die Tatsache begründet, dass viele Häuser nicht über entsprechende Abwasserentsorgung verfügen.

Und on-top die „Dass-Tidning“ (frei übersetzt „Plumpsklo-Zeitung“)  – vieles lässt sich eben mit Humor noch besser aushalten. [Quelle: http://schweden.pl7.de/schwedische-toiletten]

Und die Frage aller Fragen: riecht das?

Beruhigend – alles, was wir darüber gelesen und gefragt haben läuft auf vier Buchstaben hinaus:

N E I N

Für uns ist das alles Hörensagen – wir testen das jetzt.

Was wir sicher wissen, ist die chemische Seite:

Urin riecht im ersten Moment eher … nennen wir es mal würzig. Mit Hilfe von Enzymen wird der im Urin enthaltene Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid umgewandelt. Es dauert ein bisschen, aber wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, riecht unser Pipi nicht mehr unbedingt würzig – den Geruch von Ammoniak brauche ich hier nicht beschreiben.

Kommen wir nun zum – ich nenn‘ es jetzt mal Stoffwechsel-Endprodukt. Die Frage des Geruchs ist hier unstrittig. Das ist halt einfach so – dafür verantwortlich sind auch hier wieder bestimmte Abbauprodukte, nämlich Indol und Skatol. Ihre Eigenschaft: unangenehmer Geruch – naja, wie man’s nimmt – streng chemisch gesehen sind es tatsächlich Duftstoffe, die in hoher Verdünnung nach Rosen, Jasmin und Goldlack riechen und u. a. in der Parfümherstellung zum Einsatz kommen. Ich hoffe, das merkt man später!

Unsere Praxistestungen bleiben abzuwarten. Vorsichtshalber oder vielleicht besser gesagt für den Fall der Fälle, dass es aus unserem Flüssigkanister „riecht“, werden wir auch mal das in der Landwirtschaft altbewährte Ammovit ausprobieren.

Aber dazu dann mehr, wenn es ans Feintuning geht!

Wird denn nicht gespült?

Vorteil der Trenntoilette ist, dass kein Spülwasser die Tankkapazität unnötig belastet. Dennoch ist eine nötige Hygiene geboten. Daher kommt häufig eine Sprühflasche beispielsweise mit einer verdünnten Essig/Zitronensäure-Lösung zum Einsatz.

Fertige Trockentrenntoiletten auf dem Markt

Entscheidung TTT gefallen – also auf unserem Messebesuch gecheckt und festgestellt, dass Camper für den Massenmarkt momentan scheinbar noch nicht die große Rolle spielen und man sich schon sehr bemühen muss, so etwas zu finden. Nach intensiver Recherche auc im Netz und Gesprächen mit Herstellern und Händlern sah unser Marktüberblick folgendermaßen aus:

  • Separett: Optisch sprach uns diese Toilette am meisten an. Gut gefallen hat uns, dass es für Flüssiges einen Ablauf nach Außen gibt. Knackpunkt: die Toilette, die eigentlich für schwedische Ferienhäuser entwickelt wurde, ist für unser WoMo schlichtweg zu groß, genauer gesagt, zu breit und zu tief (http://www.tcstattwc.de/ oder http://www.oecobuy.de/). Preis: ~800 Euro
  • Natures Head: Eine solide, bei Campern sehr beliebte Toilette mit hoher Qualität. Leider sind wir mit dem Design des amerikanischen Anbieters nicht zurechtgekommen. Das lag an dem grauen Sprenkelmuster, der Kurbel zum Durchmischen und der stets sichtbaren Flasche für die flüssigen Ausscheidungsprodukte (Amazon, https://www.tomtur.de/shop/ oder Vascos Campervanservice). Preis: ~1.000 Euro
  • Kildwick: Der englische Anbieter hat Toiletten im Sortiment, die uns optisch ebenfalls gut gefallen haben. Ursprünglich konzipiert für Narrowboats (englische Kanalboote, sehr lang und schmal). Die Toilette ist sowohl für den Einsatz mit dem Kanister geeignet als auch für einen Außentank. Genau unser Ding – leider sehr lange Lieferzeiten (Deutscher Vertrieb über E-Bay). Preis: ~ £ 500

Damit waren die Anbieter „fertiger“ Toilettenlösungen erschöpft. Was war unsere Alternative?
Ran ans Werk und selbst etwas konstruiert. Dieses Mini-Projekt erinnerte uns voll an den WoMo-Bau: Wir haben uns sehr lange, sehr sorgsam und äußerst akribisch mit der Thematik auseinandergesetzt, anschließend eine Woche alle Teile bestellt und dann losgelegt.

Unser Selbstbau

Folgende Anforderungen mussten erfüllt werden:

  • Rückbau der Dometic Toilette (mit Rollback-Plan, falls uns die TTT nicht gefällt)
  • Nutzung der vorhandenen Service-Klappe zur Entnahme des Eimers von außen (war uns wichtig)
  • Platzsparende und leichte Konstruktion
  • Aktive Entlüftung, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen
  • Nutzung des Außenkanisters (20 Liter) für Flüssiges, in Frostzeiten sollte die Verwendung eines 5L Kanistern im Toilettenkasten möglich sein

Die grobe Idee war ein geschlossener Rahmenbau aus Holz. Eingelassen ein Trocken-Trenn-Einsatz. Im Inneren dann ein Eimer, die Schläuche sowie ein leistungsfähiger Ventilator, der Feuchtigkeit nach Außen transportiert.

Einkaufsliste

Und die sah folgendermaßen aus:

Trocken-Trenn-Einsatz

  • Trocken-Trenn-Einsatz von Kildwick (ext. EBay Link)
  • 12×12 cm großer flüsterleiser Ventilator aus dem PC Bereich (ext. Amazon Link)
  • Lammellenlüftungsgitter für den Außenbereich aus lackiertem Edelstahl (ext. E-Bay Link)
  • KG Rohr als Verkleidung des Bohrlochs in der Serviceklappe für die Lüfterverbindung nach außen (dient als Aufnahme für Aktivkohlfilter)
  • Kunststoffeimer 27x25x30 cm (passt durch die Dometic Serviceklappe) (ext. E-Bay Link)
    mittlerweile entdeckt, dass der IKEA Variera Mülleimer ebenfalls durch die Serviceklappe passt (ext. IKEA Link)
  • Kippschalter mit Kontrollleuchte (ext. Amazon Link)
  • DN 50 Aufnahme des Ablaufs durch ein KG-Rohr Endstück mit Schlauchnippel grau  (ext. E-Bay Link)
  • Abwasserschlauch DN 20mm
  • Winkel Schlauchtülle 90° mit Innengewinde, Überwurfmutter x Tülle Größe 3/4″ IG x 19mm (3/4″) zur Verbindung Abwasserschlauch mit der Zuleitung zum externen Tank (ext. Amazon Link)
  • 25 x 40 mm Furnierschichtholz, 4 mm Spanplatte für die Wände, 10 mm für den Deckel, Siebdruckplatte für den Winkel zur Aufnahme des Ablaufs, Winkel, Acryllack, Scharniere für den Deckel
  • Toilettendeckel mit geringer Tiefe (Link Hornbach)

Zuleitung externer Tank

  • Alu-Verbund-Rohr 16 mm
  • Leitungskonstruktion
    • Schraubverbinder 16mm/16mm 90°Bogen (ext. Amazon Link)
    • Schraubverbinder 16¾“
    • Schlauchtülle Innengewinde Überwurfmutter x Tülle Größe 3/4″ IG x 32mm (1 1/4″) (ext. Amazon Link)
  • Externer Tank Hühnersdorff 20 Liter Kunststofftank mit separatem Ausgießer (ext. Amazon Link).
  • Halterung, Schlauch und Schnellkupplung sowie Schlauchtüllen (mit Gewinde, Material Kunststoff)  für Kanisterzuführung und Entlüftung/Überlauf.

Sonstiges

  • 20mm HSS Bohrer mit reduzierter Aufnahme
  • 13mm Gartenschlauch, Schnellkupplung zum Kanister

Selbstbaukosten

Unser Selbstbau hat in etwa 225 Euro an Material gekostet. Die Hälfte der Kosten sind dem Kildwick Trenneinsatz sowie dem hochwertigen Toilettendeckel zuzuschreiben.

Bauphase

Rückbau der vorhandenen Toilette inkl. SOG-Anlage

Das ging relativ fix. Ein paar Schrauben lösen, die Wasser- und Stromverbindung kappen und raus damit.

Vorarbeiten

Damit uns die fertige TTT bei den kniffligen Installationen nicht im Weg ist, haben wir zunächst die Durchführung der Abwasserleitung mit den notwendigen Anschlüssen realisiert. Ebenso haben wir uns um den Lüfter mit Schalter und Anschluss gekümmert. Der Ventilator ist ein flüsterleiser PC Lüfter, der allerdings mit 12 cm deutlich größer ist, als die sonstigen PC-Lüfter. Die Dometic Serviceklappe konnte zum Installieren leicht mit zwei Splinten gelöst werden. Ausgebaut war das Sägen mit einer Rundsäge für den Luftkanal kein Problem. Als Innenverkleidung des ausgesägten Lochs passte ein Stück KG-Rohr. Dieses dient gleich als Aufnahme für handelsübliche Aktivkohle-Watte (wie bei der Dunstabzughaube). Von außen wird alles durch eine Lüftungsblende geschützt.

Ein kleiner Kippschalter an der seitlichen Wand der TTT soll das Einschalten im Bedarfsfall ermöglichen, also um Feuchtigkeit nach außen zu transportieren.

„Abtransport“ der Flüssigkeiten: Viele TTT im Campingbereich nutzen einen kleinen Kanister (7 bis 8 Liter), der eher als Flasche zu bezeichnen ist. Ein Mensch produziert etwa 1,5 bis 2 Liter Urin am Tag. Somit wäre bei uns vieren bereits nach einem Tag die Buddel voll. Das war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Daher haben wir uns für einen stabilen 20l Kanister der Firma Hünersdorff entschieden. Dieser hat die notwendige Materialstärke und darüber hinaus ist, wie in unserem Fall erforderlich, Zubehör (zusätzlicher Ausgießer oder Ersatzschraubdeckel zur Modifikation) separat erhältlich.

Da der Außenkanister unterhalb des Koffers an der linken Fahrzeugseite befestigt ist, sich das Bad allerdings auf der rechten Seite befindet, musste eine Pipi-Pipeline her. Schläuche wären für diesen Zweck unpraktisch, da sie ggf. durchhängen und Senken bilden. Daher haben wir zwei 20 mm Löcher durch den Hilfsrahmen gebohrt und Kanister und zukünftige Toilette mit Alu-Verbundrohr verbunden. Über entsprechende Schraubfittinge konnten wir Verbinderstücke aus dem Baumarkt verwendet. Auf der Länge von 1,40 m haben wir etwas über 10 cm Gefälle, von der Toilette bis zum Kanister sind es um die 30 cm Gefälle, wobei uns zusätzlich noch das physikalische Gesetz „verbundener Gefäße“ zugute kommt.

Eine Herausforderung stellte noch die Schlauchverbindung in den Kanister dar. Auch die sollte nicht mal eben husch husch, sondern solide und professionell gestaltet sein. Aber auch das hat schlussendlich geklappt.

Die eigentliche Klo-Konstruktion

Für den Ständerbau haben wir unser altbewährtes Leimprofilholz genommen. Das ist leicht, verzieht sich nicht und war schon beim Bau der Sitzgruppe Material der Wahl. Die Maße unserer Toilette sind LBH 520 x 450 x 543 mm, somit ist ein nicht zu beengtes Sitzen möglich und es ist dennoch relativ klein gehalten. Für diejenigen, die es noch etwas kleiner mögen, könnte man in der Breite noch 5-7 cm einsparen.

Verbindung Trenneinsatz und „Pipi-Pipeline“

Zunächst schwebte uns eine feste Verbindung des Ablaufs über eine Reduktion von 3 cm auf 2 cm Abwasserschlauch hin zur 3/4″ Aufnahme des Rohrsystems vor. Als problematisch stellte sich heraus, dass der Abwasserschlauch so lang sein muss, dass der Deckel der gesamten Konstruktion noch zu öffnen ist (weil wir ja im Winter zu einem innenliegenden Kanister wechseln wollen). Unweigerlich entstehen Senken – was das bedeutet, muss man nicht weiter ausführen. Zudem waren wir uns nicht sicher, wie lange diese ganze Konstruktion hält.

Und dann kam uns eine gute Idee. Aus zwei Brettern, zwei Winkeln und einem DN 50 Entstück mit integrierter Schlauchtülle (bzw. zunächst etwas vergleichbaren selbst gebauten)  haben wir ein Art kleines Podest gebaut. Und siehe da, es funktioniert perfekt. Durch die Nutzung eines Verstellwinkels kann auch im Nachhinein noch die Höhe des Podests perfekt justiert werden.

Verkleidung

Die Seitenwände und den Deckel aus Pappelsperrholz haben wir uns im Baumarkt exakt zuschneiden lassen. Für die Wände reichen 4 mm, für den Deckel haben wir uns für 10 mm entschieden. Mit der schwierigste Part war das Ausmessen des Trenntoiletteneinsatzes und entsprechende Einpassen des Deckelscharniers. Das bedurfte etwas Fummelei. Außerdem die Löcher für den Schalter der Lüftung sowie den Heizungsauslass gebohrt und gesägt, anschließend alles mit Acryllack lackiert.

Für die ersten zwei Wochen sind die Wände und der Einsatz noch provisorisch befestigt. Nach der Testphase wird dann abschließend verklebt.

Fixierung Eimer und Kleinkanister

Der Eimer war das Item, dass am meisten Suchaufwand bedeutet hat. Eigentlich keine schwere Aufgabe, aber mein Ziel war es, den Eimer über die Service-Klappe zu entnehmen. Letztendlich haben wir mehrere gefunden. Damit dieser in Position bleibt, ist er mit Profilen positioniert.

Im Prinzip war das schon der gesamte Bau. Inklusiver aller Arbeiten haben wir drei Tage zzgl. Trocknungszeit für den Lack benötigt. Die Planung hat wie immer deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen.

Video

Erfahrungen

Die ersten Fahren mit einer Trockentrenntoilette sind gemacht und es wird Zeit für ein kleines Zwischenresümee:

  • Außenliegender Kanister: Funktioniert 1A. 16mm² Rohrleitung hat auch auf die Länge und unserem Gefälle einen hervorragenden Durchsatz. Es könnte sein, dass sich irgendwann einmal Urinstein in den Leitungen bildet. Mit einem Arbeitseinsatz von 2 Stunden und einem Materialaufwand von 15 Euro wäre der Schaden aber begrenzt. Ein Beckensteine mit enzymischer Wirkung soll das in Zukunft verhindern. 20 Liter sind ja für einen „Pipi“-Kanister eine ganze Menge und so sammelt sich das Flüssige einige Tage, bis man(n) es entsorgt. Innerlich schon auf übelste Gerüche eingestellt, kam die große Überrraschung – über das „Nichts“. Es roch im Gegensatz zu einer wasserversetzten Kassettentoillete nicht. Bemerkenswert.
  • Innenliegender Kanister: Eigentlich hatten wir nicht mit so extremen Frost gerechnet aber pünktlich zu Hamburg Messe war er da. Also schnell einen passenden Kanister gesucht und gefunden. Als Dreingabe gab es zum 1 Euro Kanister noch 5 Liter destilliertes Wasser 🙂  Wir haben den Kanister täglich geleert und können auch hier festhalten: riecht nicht.
  • Feststoffe:  Zugegebenermaßen das unschönste Thema, dessen Beschreibung selbst kurz ausfällt. Einen eindeutigen Geruch konnten wir dank des starken Ventilators nicht vernehmen. Streu und Toilettenpapier deckt unschöne Anblicke ab. Die Entsorgung mit Papptüte ist denkbar einfach. Mehr Erklärung gibt es dazu nicht.

Öko-Wahnsinn Trenntoilette

Bemüht man die Google-Suche liest man eigentlich in jedem Artikel, dass in den Behälter für Feststoffe Plastiktüten gelegt werden. In unseren Augen eine absurde Idee, da wir auf der Welt wirklich schon genug Plastikmüll haben. Jetzt auch noch Plastiktüten für Hinterlassenschaften zu nutzen, kann nicht im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit der Natur sein. Daher nutzen wir Papp- bzw. Papierbeutel. Dort hinein kommt Kleintierstreu was dafür sorgt, dass Feuchtigkeit gebunden wird.

Wo wir gerade dabei sind: Unserer Meinung nach gehören solche Hinterlassenschaften egal welcher Art auch nicht Mal eben flux in die Natur entsorgt (auch wenn es biologisch an einer plausiblen Argumentation fehlt). Es hat was mit Ästhetik und wahrgenommener Gastfreundschaft zu tun. Genauso unappetitlich ist es, dass einige Camper ihre flüssigen Hinterlassenschaften mitunter in „normale“ WC entsorgen und das nicht etwa zu Hause (das wäre uns total egal), sondern in Taschen und Beutel mitgenommen, auf Gäste-WC in Raststätten, Cafes und Restaurants. Gibt schon komische Menschen: Nach außen suggerieren solche Leute ein freies, ungezwungenes und selbstbestimmtes Leben, zwingen aber anderen Menschen ein mal am Tag ihre gesammelten Hinterlassenschaften auf.

Sind wir zufrieden?

Mit dem Bau und der Bauphase definitiv. Also alles easy peasy? Nein, zunächst nicht wirklich. Wir haben uns auferlegt, eine kleine und praktische Trenntoilette zu bauen und das brachte einige  Herausforderungen mit sich.

Wichtig war für uns, dass der Abwasserschlauch auf dem Weg zur Tankleitung keine Senken hat, in dem Flüssiges stehen bleiben kann. Nach reiflicher Überlegung ist uns das mit Hilfe der Alu-Verbundrohre gelungen.

Die Entnahme des Eimers von Außen war für uns erforderlich und nach wie vor sind wir froh, dass sich das so (inkl. Lüfter) realisieren ließ.

Ein bisschen Stolz sind wir auf die Lösung der „losen Rohrmuffe“, die sowohl den Trenneinsatz mit der Pipeline verbindet als auch ein unkomplizertes Hochklappen des gesamten Deckels ermöglicht.

Und auch der mobile kleine Kanister funktioniert entsprechend.

Und nun zur abschließenden Antwort:

Nein! Es riecht nicht!

 

4 Gedanken zu „Selbstbau Anleitung Trockentrenntoilette

  • 26. Januar 2018 um 18:42
    Permalink

    Gut gemacht, gibt es für diese TT eine Skizze mit Maß? Ich möchte bei uns gern die Thefort Toilette so umbauen das der Trenneinsatz rein passt.

    Antworten
    • 26. Januar 2018 um 18:56
      Permalink

      Hallo Dietmar,

      was genau für Maße brauchst du?
      Eine Skizze gibt es nicht wirklich, aber ich kann
      dir gerne fehlende Maße zuschicken.

      Viele Grüße
      Wiebke

      Antworten
  • 28. Januar 2018 um 18:55
    Permalink

    Toll gemacht. Der Einsatz sieht interessant aus. Warum musste es ein möglichst flacher WC Sitz sein? Geht da nicht jeder Handelsübliche? Was mir noch aufgefallen ist, es sieht so aus als ob das WC sehr nah an der Wand ist. Ist das ok so, oder sitzt man da jetzt immer ’schief‘ drauf weil die Schulter an der Wand anliegt? Bzgl. des Füllstandes … extern oder direkt am Kanister? Direkt am Kanister würde ich mit Superkleber einfach zwei Flansche anbringen. Ganz oben und ganz unten und dann einfach dazwischen einen transparenten, dünnen Schlauch. Das sollte man gut ablesen können.
    Weiter so und beste Grüße!

    Antworten
    • 28. Januar 2018 um 19:03
      Permalink

      Moin Björn, der Sitz ist nicht besonders flach. Wir haben speziell nach einem gesucht, der nicht so groß ist. Er sollt den Trenneinsatz lediglich optimal abdecken. Im Prinzip ist das ein handelsüblicher. Toll gelöst bei ist, dass man über die Befestigung den Sitz noch in cm-genau anpassen kann. Die Breite sieht auf dem Bild tatsächlich gering aus. Das täuscht ein wenig. Man kann bequem sitzen, obwohl ich kein zierliches Kreuz habe 🙂

      Und danke für die Idee mit dem transparenten Schlauch.

      Antworten

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